In West Norfolk in England ist es Archäologen gelungen, einen außergewöhnlichen Metallschatz zu bergen, der im Rahmen von Bauarbeiten entdeckt wurde. Nach Angaben von Historic England umfasst der Fund mehrere metallene Artefakte. Besonderes wissenschaftliches Interesse gilt dabei einem mutmaßlichen Musikinstrument von außergewöhnlicher Seltenheit. Das etwa 2000 alte Objekt wird den keltischen Bewohnern der Britischen Inseln zugeschrieben.
Keltenschatz: Fund von großer Seltenheit
Bei den Ausgrabungen konnten die Archäologen eine Vielzahl metallener Artefakte sichern, darunter eine militärische Standarte mit einem Wildschweinkopf, fünf Schildbuckel sowie weitere Metallobjekte. Besondere Aufmerksamkeit erregte jedoch ein außergewöhnlicher Fund: eine nahezu vollständig erhaltene Kriegstrompete mit Tierkopf.
Auf Grundlage der Fundzusammenhänge gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich bei der Trompete um einen sogenannten Carnyx handelt, der von einem keltischen Stamm genutzt wurde. Die begleitenden Artefakte deuten darauf hin, dass die Trompete möglicherweise als Kriegsbeute in den Besitz der Römer gelangte, die im 1. Jahrhundert die Eroberung der Britischen Inseln vorantrieben. Nach Angaben von Pre Construct Archaeology, dem an den Ausgrabungen beteiligten Unternehmen, sind derartige Funde von außergewöhnlicher Seltenheit.
Demnach handelt es sich um eines von lediglich drei bekannten Exemplaren in Großbritannien und zugleich um eine der am besten erhaltenen keltischen Kriegstrompeten in ganz Europa.
Gehörte das Artefakt einer mächtigen Königin?
In ihrer Grundform ähnelt der Carnyx einer Trompete, weist jedoch eine markante, vertikal ausgerichtete Bauweise auf, die in einen stilisierten Wildschweinkopf übergeht. Neben Kettenhemden, Schilden und Speeren gehörte dieses Instrument zur typischen Ausrüstung vieler keltischer Krieger. Eine von Fachleuten des National Museum of Scotland angefertigte Rekonstruktion verdeutlichte den charakteristischen Klang des Instruments, der offenbar gezielt zur akustischen Untermalung von Kriegshandlungen eingesetzt wurde.
Um eine detaillierte wissenschaftliche Analyse zu ermöglichen, wurde das Artefakt in einem Stück aus dem Boden geborgen. Anschließende Untersuchungen mittels Röntgenaufnahmen und Computertomografie sollen weitere Erkenntnisse zu Herstellung, Nutzung und Geschichte des Objekts liefern.
Nach derzeitigem Forschungsstand ordnen die Archäologen die Trompete dem mächtigen keltischen Stamm der Iceni zu, der von der Königin Boudica angeführt wurde. Schriftliche Quellen aus dem Jahr 60 n. Chr. belegen die Präsenz dieses Stammes im Gebiet der heutigen Grafschaft Norfolk. In der Folge wurden die Iceni jedoch von den Römern besiegt, die anschließend die Kontrolle über Britannien übernahmen.




No Comments