Griechenland-Krise: Schuldenerlass scheint unausweichlich

2. November 2012 - 11:29 - keine Kommentare

Am 12. November wird mit einer Entscheidung der Troika zur Griechenland-Krise gerechnet: Dem Euro-Land könnten danach mindesten die Hälfte der Schulden erlassen werden – so sehen es zumindest Wirtschaftsexperten, wenn sich die deutsche Regierung auch wiederholt dagegen ausgesprochen hat.

Griechenland steckt noch immer tief in der Krise: Hohe Schulden, eine marode Wirtschaft, enorme Arbeitslosenzahlen, ein restriktives Reform- und Sparprogramm und erboste Mitbürger lassen das glücklose Euro-Land nicht zur Ruhe kommen. Während noch die Entscheidung der „Troika“ aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds erwartet wird, stehen Spekulationen über mögliche Lösungswege hoch im Kurs. Einer hiervon könnte ein Schuldenerlass für Griechenland sein, den die Troika vorschlagen könnte. Kurt Lauk, Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, sieht diesen Schritt als wahrscheinlich an.

Schuldenerlass für Griechenland: Troika-Entscheidung wird erwartet

In der Finanz- und Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ schreibt Lauk, ein „erneuter Schuldenschnitt für Griechenland ist nahezu unvermeidlich“, da die bislang durchgeführten politischen Entscheidungen nicht die gewünschten Effekte erzielt, sondern das Gegenteil erreicht hätten: Die Unzufriedenheit mit Europa führe dazu, dass die zahlenden Bürger nicht sinnlos zahlen wollen und diejenigen, die in den Sparprogrammen feststecken, sich nicht weiter kasteien wollen. Auch die besten Absichten, die von Politikern erklärt würden, würden nicht mehr ernstgenommen, wenn Auflagen nicht eingehalten und anstelle dessen beständig modifiziert würden.

Lauk hält daher einen Schuldenerlass für nicht nur denkbar, sondern auch für ehrlich: Die bisher an Griechenland geflossenen Hilfen zur Rettung des Euro-Zonen-Staats wären damit zwar abgeschrieben und würden schmerzlich vermisst, jedoch würde eine klare und realistische Position eingenommen, durch die die Verunsicherung in den Geberländern, aber auch die Situation der Griechen erleichtert werde.

Diese Meinung teilen auch andere Wirtschaftsexperten, wie Professor Max Otte, zumindest in Bezug auf einen Teilerlass von etwa der Hälfte der Schulden. Bundeskanzlerin Merkel hat vor wenigen Tagen einen Schuldenschnitt abgelehnt und Regierungssprecher Steffen Seibert und Finanzminister Schäuble betonten, keine weiteren Kredite gewähren zu können, sollten Griechenlands Schulden gestrichen werden.

Griechenland-Krise: Neue Einschnitte und neue Schulden

Die griechische Regierung musste derweil ihre bislang errechneten Prognosen für das Jahre 2013 nach unten angleichen: Das Bruttoinlandsprodukt soll nun ein Minus von 4,5 Prozent (zuvor waren es 3,8) ausweisen, während die Gesamtverschuldung 346,2 Milliarden Euro (ein Anstieg auf 189,1 Prozent) betragen wird und die Neuverschuldung wird von Finanzminister Yannis Stournaras um 1 Prozent auf 5,2 Prozentpunkte im Haushaltsentwurf für das kommende Jahr angehoben.

Das Ergebnis der Studien und der Beratungen der „Troika“ liegt vermutlich am 12. November 2012 vor.

Bild:Griechenland von dorena-wm, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Griechenland-Krise: Schuldenerlass scheint unausweichlich

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!