Armut in Deutschland und soziale Ausgrenzung: 16 Millionen betroffen

23. Oktober 2012 - 17:06 - keine Kommentare

Kurz nach den Zahlen für die Armutsgefährdung in Deutschland hat das Statistische Bundesamt weitere Angaben zum finanziellen und sozialen Gefälle gemacht: 16 Millionen Deutsche – 19,9 Prozent der Bevölkerung – sind gemäß dem EU-Sozialindikator von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen.

Im vergangenen Jahr ist die Armutsquote und die Armutsgefährdungsquote in Deutschland um 0,2 Prozent auf 19,9 angestiegen: Wie das Bundesamt für Statistik vermeldet, leiden 16 Millionen Deutsche ganz direkt unter finanziellen und materiellen Entbehrungen oder sind davon gefährdet. Diese Entbehrungen werden nach den Maßgaben der Europäischen Union über das Fehlen von Auto, Telefon und Fernseher definiert, über keine Möglichkeiten in den Urlaub zu fahren und zu heizen, Geldprobleme oder eine nicht bewusst gewählte, sondern erzwungene fleisch- und fischlose Kost.

Armutsquote in Deutschland gestiegen

Mit einem leichten Anstieg in sowohl der Armutsquote auf 5,3 Prozent als auch bei der Armutsgefährdung auf 15,8 Prozent setzt sich in Deutschland der Trend bei Geringverdienern weiter fort. Bereits in den letzten fünf Jahren waren ähnliche Zahlen ermittelt worden. Mit 21,3 Prozent führten vor allem Frauen die traurige Spitze der Umfrageergebnisse zur Armut in Deutschland an, liegen jedoch noch immer unter dem EU-Durchschnitt von 23,4 Prozent aus dem vorletzten Jahr.

Tatsächlich stehen in der EU lediglich Island, Norwegen, Tschechien und die Niederlande wesentlich besser da als Deutschland, Schweden, Luxemburg, Österreich, die Schweiz und Finnland befinden sich mit Prozentzahlen zwischen 15 und 17 noch im Vorfeld, während vor allem Polen, Griechenland, Irland, Ungarn, Kroatien, Lettland und Rumänien mit hohen Armutszahlen zu kämpfen haben. Bulgarien ist mit einer Quote von 49,1 das ärmste Land in Europa.

Statistisches Bundesamt ermittelt soziale Ausgrenzung

Die Statistiken zur Armut und zur Armutsgefährdung basieren auf Selbsteinschätzungen als arm oder sozial ausgegrenzt. Das Statistische Bundesamt erhebt die Quoten auch im Hinblick auf sozialpolitische Entwicklungen. Gemäß den Berechnungen wird bei 60 Prozent eines mittleren Einkommens die Grenze gezogen, unterhalb derer die Befragten als arm beziehungsweise armutsgefährdet gelten. Zudem werden auch jene Personengruppen hinzugezogen, die vom Bundesamt mit einer geringen Erwerbsbeteiligung eingestuft werden, wenn sie weniger als 20 Prozent ihrer Zeit arbeiten.

Bild: Armut von chancenloskampagne, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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