Literaturnobelpreis 2012: Chinesischer Schriftsteller Mo Yan wird ausgezeichnet

11. Oktober 2012 - 15:55 - keine Kommentare

Das Nobelpreiskomitee der Schwedischen Akademie hat den Preisträger des Literaturnobelpreises 2012 in Stockholm bekannt gegeben: Die Wahl fiel auf den 57-jährigen Mo Yan aus China, dessen Werke sich dem magischen Realismus folgend mit der Geschichte und dem Leben seines Landes beschäftigen.

Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an den chinesischen Schriftsteller Mo Yan. Der 57-jährige Autor hat sich aus ländlichen Verhältnissen kommend einen hohen Stellenwert in China erarbeitet – seit den 1980er Jahren gehört er zur ersten Riege des Literaturbetriebes der Volksrepublik. Durch seine gesellschaftliche Stellung ist er jedoch nicht völlig unumstritten: Während der Frankfurter Buchmesse 2009 geriet er in die Kritik regimekritischer Intellektueller, da er sich nicht weit genug von den herrschenden Verhältnissen in China distanziere.

Literaturnobelpreis 2012: Mo Yan erhält höchste Auszeichnung

Mo Yan, dessen Künstlername als der „Sprachlose“ oder „ohne Worte“ übersetzt werden kann, wurde eigentlich als Guǎn Móyè im Dorf Gaomi in der Provinz Shandong geboren, wo ihn auch die Nachricht über die Entscheidung des Nobelpreiskomitees erreichte. Er sei laut den Medien Chinas zugleich „überglücklich und erschrocken“ über die bevorstehende Verleihung des Literaturpreises. Internationale Schriftsteller wie Martin Walser und Kenzaburô Ôe begrüßten die Wahl des Komitees, da Mo Yans Werke von hoher Qualität und Relevanz seien.

In seinen Romanen wie „Das rote Kornfeld“ beschreibt Mo Yan seine eigene Herkunft und die Geschichte Chinas kritisch und direkt. Seine Werke werden unter anderem zum „magischen Realismus“ gezählt, in dem die Realitätswahrnehmung mit fantastischen Elementen verbunden wird. Das Nobel-Komitee formulierte die Begründung, Mo Yan habe „mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint“. Zuletzt waren in Deutschland im Jahr 2009 gleich drei seiner Bücher, „Der Überdruss“, „Die Sandelholzstrafe“ und „Die Knoblauchrevolte“ erschienen. Sein neuer Roman „Wa“ wird im Frühjahr 2013 erwartet.

Erster in China lebender Preisträger des wichtigsten Literaturpreises

Mo Yan ist nicht der erste chinesische Schriftsteller, der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, aber der erste, der in China lebt: Vor ihm bekam der in Paris lebende Gao Xingjian im Jahr 2000 den wichtigsten Bücherpreis. Zudem gilt Mo Yan zwar als angesehener Autor mit einem Gespür für das ländliche Leben in China, allerdings auch als stellvertretender Vorsitzender des Schriftstellerverbandes von China als kritisch wenn auch staatsnah.

Der Literaturnobelpreis ist mit 10 Millionen Kronen dotiert und wird am 10. Dezember 2012 in Stockholm verliehen.

 
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