Pussy Riot Prozess: Erklärung vor dem Berufungsgericht

10. Oktober 2012 - 13:33 - 1 Kommentar

Der Pussy Riot Prozess geht in die Berufung: Die drei Aktivistinnen, die durch eine Anti-Putin-Aktion in einer Kirche weltweites Aufsehen erregten, versuchen ihre Straflagerhaft in ein Bewährungsurteil umzuändern. Demonstranten versammeln sich vor dem Gerichtsgebäude, das von einem gewaltigen Polizeitaufgebot bewacht wird.

Zwei Jahre Straflager wurden als Haftstrafe für Nadeschda Tolokonnikowa, Jekatarina Samuzewitsch, und Maria Alechina vom Gericht im August festgelegt, nun gehen die drei aktivistischen Musikerinnen von „Pussy Riot“ in Berufung. Mit Erklärungen wollen sie vor Gericht noch einmal ihren Fall darstellen, ihre Anwälte versuchen mit einem Gutachten zu beweisen, dass es sich um den Protest in der Kathedrale um eine politisch und nicht religiös motivierte Aktion handelte, wie es im ersten Prozess ausgelegt wurde. Zur gleichen Zeit versammeln sich vor dem Gerichtsgebäude Demonstranten – Gegner wie Befürworter von Pussy Riot – , während die Moskauer Polizei ein riesiges Aufgebot bestellt hat.

Berufungsprozess von Pussy Riot: Entschuldigungen an Gläubige

Zu den Gegnern des Urteils gehören auch der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedew, der die Haft für Pussy Riot für „unproduktiv“ hält, und die russisch-orthodoxe Kirche, die keine Haftstrafe fordert, sondern Reue für die Verletzung der Gefühle der Gläubigen. Und in diesem Punkt zeigen sich die drei Frauen einsichtig: Samuzewitsch erklärte vor Gericht, die Gläubigen bei ihrer Protestaktion nicht beleidigt haben zu wollen und auch die anderen beiden verurteilten Aktivistinnen entschuldigten sich in ihren Erklärungen mehrmals.

Währenddessen hat Präsident Wladimir Putin im russischen Fernsehen die Rechtmäßigkeit des Urteils für Pussy Riot betont und damit weiteren Anlass für Kritik geboten: Er habe dadurch Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts im Berufungsprozess genommen. Den Medien in Russland wird desweiteren vorgeworfen, staatliche Propaganda zu unterstützen.

Nach Protestaktion in russischer Kathedrale droht Pussy Riot das Straflager

Tolokonnikowa, Samuzewitsch und Alechina bleiben auch vor dem Berufungsprozess kämpferisch, relativieren jedoch ihre Protestaktion gegenüber der Kirche. Eine Aufhebung des Urteils wird nicht erwartet, die Anwälte von Pussy Riot hoffen nun auf eine Strafreduzierung. Das Urteil des Berufungsgerichtes war bereits für die vergangene Woche angekündigt, wurde jedoch verschoben. Heute soll die endgültige Entscheidung über das Strafmaß für Pussy Riot getroffen werden.

Bild:Pussy Riot von Grüne Bundestagsfraktion, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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Kommentare zu Pussy Riot Prozess: Erklärung vor dem Berufungsgericht

Zu diesem Beitrag gibt es 1 Kommentar.

von Katharina am 12. Oktober 2012 - 12:54 Uhr

Das Strafmaß sollte besser angepasst werden. Für einen Aufstand 2 Jahre im Straflager zu verbringen ist meiner Ansicht nach einfach übertrieben. In Russland gab es schon viele Probleme zuvor (diese kann man übrigens auf die-russische-frage.de/ nachlesen). Pussy Riot hat das Fass scheinbar nur überlaufen lassen und werden deshalb sehr hart bestraft.

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