Nobelpreis für Medizin 2012 für Entwicklungsbiologen in der Stammzellen-Forschung

9. Oktober 2012 - 13:59 - keine Kommentare

Der diesjährige Medizinnobelpreis geht nach Großbritannien und Japan: Die Entwicklungsbiologen John Gurdon und Shinya Yamanaka haben mit ihren bahnbrechenden Fortschritten in der Stammzellenforschung neue Wege für bislang als unheilbar geltende Krankheiten bereitet.

Zwei der wesentlichen Vertreter des weiten Gebiets der Stammzellenforschung wurden in Stockholm mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt: John Gurdon, der bereits in den 1960ern einen erheblichen Beitrag zum Erkennen von Zellen, die sich von ausdifferenzierten in undifferenzierte wandeln können, und Shinya Yamanaka, dem es gelang mit vier sogenannten Masterregulatoren aus jeder Körperzelle eine Stammzelle zu machen, teilen sich den mit acht Millionen Schwedischen Kronen dotierten Preis.

Medizin-Nobelpreis geht an Stammzellen-Forscher

Gurdons und Yamanakas Forschung stellt einen entscheidenden Schritt zur Auflösung des ethischen Dilemmas der Stammzellenforschung dar: Bis vor kurzem konnten Stammzellen nur aus Zellgewebe von Embryonen gewonnen werden, die dabei zerstört wurden. Die Forschung sah sich daher mit Fragen der Menschenwürde und des Schutzes durch das Grundgesetz konfrontiert, die auf das Schärfste diskutiert wurden. Yamanaka entdeckte basierend auf den Forschungen von Gurdon, dass es möglich ist, auch reife Zellen umzuprogrammieren, die sich so zu jedem Zelltyp entwickeln können – sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen.

Für die Medizin bedeutet dies, eine Möglichkeit in die Hand bekommen zu haben, mit der Zellen für den Kampf gegen Gehirntumore gezüchtet, Krankheitsverläufe von Parkinson verbessert oder Infarktnarben geheilt werden können, ohne dass dabei auf embryonales Gewebe zurückgegriffen werden müsste.

Entwicklungsbiologen in Stockholm geehrt

Zwischen den ersten Forschungsergebnissen von John Gurdon anhand von Froschzellen und der Entwicklung von Yamanakas Methode liegen 44 Jahre – 50 Jahre sind bis zur Verleihung des Medizinnobelpreises in Stockholm vergangen. Und auch wenn es sich um einen noch vor wenigen Jahren ungeahnten Durchbruch in der medizinischen Forschung handelt, steht die Arbeit der Stammzellenforscher noch an ihrem Anfang: Noch muss ermittelt werden, wieso sich unterschiedliche Zelltypen verschieden verhalten, noch müssen neue Therapien erarbeitet und neue Medikamente entwickelt werden. Entwicklungsbiologe Shinya Yamanaka sieht daher die Verleihung des Nobelpreises nicht nur als große Ehre, sondern auch als Ansporn an, seine Arbeit und die Fortschritte der Stammzellenforschung weiterzuführen.

Noch bis zum 15. Oktober 2012 werden die Nobelpreise für Physik, Chemie, Literatur und Wirschaftswissenschaft verliehen. Der Preisträger des Friedensnobelpreises wird am Freitag bekanntgegeben.

Bild: Shinya Yamanaka von Rubenstein, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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