Kriegsreparationen: Griechenland prüft Ansprüche auf deutsche Entschädigung

11. September 2012 - 11:21 - 1 Kommentar

Das griechische Finanzministerium in Athen hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um Unterlagen zu prüfen, nach denen Ansprüche auf Reparationszahlungen an Deutschland geltend gemacht werden könnten. Reparationen wurden mehrere Male gezahlt, neuere Forderungen wurden von deutscher Seite als abgegolten abgelehnt.

Die Frage nach noch ausstehenden Reparationen, die Deutschland an Griechenland wegen der Gräueltaten an der Bevölkerung und den Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs zahlen soll, ist aus griechischer Sicht seit Jahren offen. Vor zwei Jahren hatte Premierminister Papandreou erklärt, das offene Thema stünde nicht auf der Tagesordnung, Vize-Finanzminister Staikouras hat nun eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, bis zum Ende des Jahres zu prüfen, ob die vorhandenen Unterlagen Ansprüche rechtfertigen, deren Höhe auf 300 Milliarden Euro geschätzt werden.

Reparationsforderungen aus Athen: Arbeitsgruppe prüft Ansprüche an Deutschland

Historiker sehen die Frage nach deutschen Reparationen an Griechenland skeptisch: Nach dem Ende des Krieges wurden Entschädigungen in Form von Industriegütern geleistet, ein Investitionskredit von 200 Millionen DM, sowie weitere 115 Millionen DM als Entschädigung gezahlt. Griechenland stimmte dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag zu, der 1990 die Wiedervereinigung regelte und auch die Entlassung Deutschlands aus der Reparationspflicht beinhaltete.

Dennoch hält sich Griechenland laut Staikouras etwaige Reparationsforderungen offen, zumal sich das Land seit jeher bei den Verhandlungen seit Ende des Zweiten Weltkriegs in diesem Thema übervorteilt fühlt. Der Historiker und Griechenland-Experte Prof. Dr. Heinz Richter vermutet gegenüber der „Financial Times Deutschland“, dass mit den aktuellen Entwicklungen die Wut der griechischen Bürger über Entlassungen und den Sparkurs von der eigenen Regierung nach außen verlagert werden soll. Auch reagiert die Athener Regierung mit der Bildung der Arbeitsgruppe auf den Druck der rechten und linken Opposition.

Kriegsschulden: mögliche Forderungen aus Griechenland

Von deutscher Seite her bestehen derweil keine Zweifel am Abschluss der Reparationen: Die Kriegsschulden aus beiden Weltkriegen, inklusive Rückzahlungen, Rückstände und Zinsen für Anleihen, wurden 1988 und 2010 gemäß den Schuldenabkommen vollends getilgt, wie auch Hans Michelbach, Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion des Ausschusses für Finanzen des Bundestags, feststellte. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die griechischen Bemühungen an dieser Stelle der Bewältigung der Staatsschuldenkrise zuwider liefen.

Bild:Griechenland von dorena-wm, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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Kommentare zu Kriegsreparationen: Griechenland prüft Ansprüche auf deutsche Entschädigung

Zu diesem Beitrag gibt es 1 Kommentar.

von Ludwig Bär am 4. Januar 2013 - 11:13 Uhr

Ich finde daß Deutschland an Griechenland zahlen soll.
Das wäre auch durch Verzicht auf Altschulden zu regeln.
Interessant wäre die Zusammensetzung der aufgelaufenen
Forderungen der Griechen an die Deutschen zu veröffentlichen.

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