Sparer tragen Kosten der Euro-Krise

22. August 2012 - 12:41 - keine Kommentare

Seit langer Zeit wurde es vermutet, nun scheint der bittere Verdacht Wahrheit zu werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Begriff finanzielle Repression und dessen Auswirkungen. Mit dieser Methode versuchen verschuldete Staaten ihre wirtschaftliche Lage auf Kosten der Bürger zu verbessern.

Finanzielle Repression heißt das politische Thema der letzten Tage. In zwei Wochen entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über eine mögliche Lockerung der Geldpolitik. Ein wesentliches Thema sind dabei die niedrigen Zinssätze, die die Staaten im Moment in zweierlei Hinsicht positiv stimmen sollten. Zum einen kurbeln sie die Konjunktur an, zum anderen zehren sie Sparzinsen auf und mindern so die Verschuldung vieler Staaten. Das Handeln der EZB wird somit zum Glücksfall für europäische Politiker, während sich für sparsame Bürger ein Schreckensszenario bewahrheitet.

Auf der Suche nach einem Ausweg

Die Politiker in den europäischen Staaten stehen derzeit vor einer, aus ihrer Sicht, schwierigen Situation. In einigen Staaten sind Steuererhöhungen oder Ausgabensenkungen eigentlich nötig um den Schuldenabbau voranzutreiben. Selbst ein Staatsbankrott könnte in einigen Fällen eine Alternative darstellen. Doch all diese Wege aus der Krise sind unpopulär und würden einen Großteil der Wähler vertreiben. Stattdessen wird ein weitaus schwieriger und nahezu unmöglicher Weg aus der Schuldenkrise versucht, indem man versucht Schulden durch erhöhtes Wachstum aufzufangen. Da aber auch dieser Weg langfristig Europa nicht die Notlage Europas beheben wird, entsteht nun ein neues Lösungskonzept.

Finanzielle Repression

Der Begriff finanzielle Repression bezeichnet eine ganze Reihe verschiedener Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, die eigene wirtschaftliche Lage zu sanieren. Neben niedrigen Zentralbankzinsen sind auch direkte Interventionen im Markt für Staatsanleihen, sowie regulatorische Vorgaben beliebte Mittel der Regierungen. Im Zusammenspiel mit Sparmaßnahmen und einer leichten Inflation hat dies bereits in der Vergangenheit einige Male beim Schuldenabbau geholfen. Einen ähnlichen Verlauf wie wahrscheinlich Europa im nächsten Jahrzehnt durchlitt die USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals konnte die Regierung durch verschiedene Maßnahmen ihr Wirtschaftswachstum stimulieren. Im Nachteil bei dieser Methode sind jedoch die Anleger. Sie müssen im schlimmsten Fall negative Zinsen auf ihre Spareinlagen hinnehmen. Ob dieses Szenario wirklich in Kraft treten wird, muss sich erst noch zeigen, doch die ersten Anzeichen einer finanziellen Repression sind in den letzten Monaten bereits aufgetreten. Es scheint der letzte Ausweg aus der verzwickten Situation namens Euro-Krise zu sein, ohne Staatsbankrotte hinnehmen zu müssen.

Bild: Euro-Krise von Tax Credits, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Sparer tragen Kosten der Euro-Krise

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!