China bangt um seinen Wirtschaftsmotor

21. August 2012 - 14:27 - keine Kommentare

Die Wirtschaft Chinas gerät seit Monaten ins Wanken und die Konjunkturflaute im Reich der Mitte scheint nicht zu enden. Bei einer konstanten Entwicklung der aktuellen Situation sind weitreichende globale Folgen zu erwarten. Auch die deutsche Ökonomie wird diese Konstellation nicht schadlos überstehen.

Die Hoffnungen, dass Chinas Wirtschaftswachstum der letzten Jahre auch langfristig bestehen bleibt, schwinden langsam dahin. Zu deutlich sind die Anzeichen dafür, dass die wirtschaftliche Entwicklung im Land des Lächelns beginnt zu schwächeln. Deutlich erkennbar wird dies am chinesischen Aktienindex, welcher in der letzten Woche den tiefsten Stand seit der Finanzkrise erreicht hat. Doch auch Investoren wenden sich vermehrt ab, der Mythos des unvergänglichen Aufstiegs der chinesischen Ökonomie bröckelt. Gerade dieser Imagewandel kann jedoch breit gefächerte Konsequenzen mit sich bringen. Denn ohne die Investoren wird der chinesische Markt, der nahezu die gesamte Weltwirtschaft ankurbelt, stark verblassen.

Immobilien stehen leer

Beispiele, um die Dynamik dieses Prozesses zu belegen, gibt es genug. Der Immobilienmarkt ist völlig aus den Fugen geraten, immer öfter stehen riesige Komplexe nahezu vollständig leer. In einzelnen Orten kommt es zu nicht genutzten Flächen in Größenordnungen, die für Europäer kaum denkbar scheinen. In Chenggong stehen 100.000 Appartments leer,  in Dongguang ist eine Shopping-Mall für 1500 Geschäfte zu 90 Prozent unausgelastet und auch genug Büroflächen für die nächsten 25 Jahre sind bereits errichtet. Durch den Aufschwung im Reich der Mitte kam es zu immensen Investitionen in den letzten Jahren im Immobiliensektor, jedoch kam es zu einer massenhaften Zahl an Vorschusshandlungen. Aufgrund dessen sind die Preise für Wohnungen im Sinkflug. Ähnliche Probleme gibt es im Industriesektor. Nur noch 60 Prozent der Maschinen sind ausgelastet, dies entspricht einer Abnahme von 30 Prozent innerhalb der letzten 10 Jahre.

Infrastruktureller Überschuss

Auch im Bereich der Infrastruktur sind Chinas Kapazitäten nahezu komplett ausgenutzt. Flughäfen, Hochgeschwindigkeitstrassen und Autobahnen – all dies ist in hoher Anzahl vorhanden und auf den modernsten Stand gebracht. China, ein Land fast so groß wie Europa, gelangt an seine Grenzen. In den letzten Jahren gingen die Investitionen im Bereich der Infrastruktur bereits deutlich zurück. Doch gerade dieser Bereich macht 5 Prozent des Wirtschaftswachstums Chinas aus. Sollten diese Investitionen nun also größtenteils ausbleiben, könnte das  Wirtschaftswachstum von acht auf drei Prozent fallen. Ein fataler Rückschritt.

Investoren suchen neue Märkte

Da China auch im Außenhandel Verluste zu verbuchen hat, kommt es zu einer dramatischen Entwicklung aus Sicht der Einwohner. Die ausländischen Investitionen in der Volksrepublik brechen ein und mittlerweile verlässt mehr Kapital das Land, als im Land der aufgehenden Sonne neu eingenommen wird. Das bisherige wirtschaftliche Erfolgskonzept im Land des Lächelns basierte auf Investitionen und Exporten, doch dieser Zug scheint abgefahren zu sein. Ein neues Wirtschaftsmodell, basierend auf mehr Binnenkonsum, plant die Regierung zwar seit Jahren, doch durchgesetzt hat sich die Theorie bisher nicht. Sowohl die Einzelhandelsumsätze, als auch die Anzahl der vergebenen Kredite sinken in China derzeit erheblich.

Risiko Inflation

Der Weltwirtschaftsmacht China droht nun sogar eine Inflation. Die stark steigenden Lebensmittelpreise belasten das Reich der Mitte dabei zusätzlich. Mais und Soja dienen als Futtermittel für Nutztiere. Durch die gestiegenen Ansprüche im Land wollen aber immer mehr der über 1,3 Milliarden Einwohner Fleisch zu sich nehmen. Es besteht somit eine direkte Abhängigkeit zwischen China und dem Weltmarkt. Der steigende Preis von Mais und Soja führt somit zu einer Explosion der Lebensmittelpreise in der Volksrepublik. Eine Kausalität, welche auch für andere Länder drastische Konsequenzen haben könnte. Denn die Chinesen haben derzeit 15 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung inne. Besonders hart würde die Krise der Volksrepublik die Nachbarstaaten in Südostasien treffen. Dort würde in einigen Ländern, bei einer Verringerung des chinesischen Wachstums um ein Prozent, die eigene Wirtschaft um bis zu 0,9 weniger wachsen.

Zentralbank Chinas als letzte Rettung

Auch Deutschland wäre von Chinas Krise betroffen. Der Rückgang des Wachstums in Deutschland würde nach aktuellem Stand zwar nur 0,1 Prozent betragen, doch bei einem Wirtschaftswachstum von gerade einmal 0,3 Prozent kann dies einiges ausmachen. Außerdem wären weitere wichtige Handelspartner unserer Regierung, hauptsächlich die EU-Staaten, viel stärker von den Auswirkungen betroffen. Diese Länder verbuchen bereits jetzt eine schrumpfende Wirtschaft und müssten bei einer Krise Chinas noch stärkere Einsparungen vornehmen, aufgrund von fehlenden Einnahmen. Somit würde weiteres Kapital den deutschen Markt nicht erreichen.
Als letzte Rettung gilt deshalb die chinesische Zentralbank. Sie könnte Zinsen vermindern und die Kreditvergabe steigern, um auf diesen Weg die Wirtschaft in der Volksrepublik zumindest kurzfristig zu stabilisieren. Eine nachhaltige Lösung der Problematik scheint dagegen ähnlich weit entfernt zu sein, wie die Chinesische Mauer vom Berliner Fernsehturm.

Bild: Chinesische Mauer von achimh, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: China bangt um seinen Wirtschaftsmotor

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!