Größe 42 statt Magerwahn

1. Mai 2011 - 16:23 - keine Kommentare

Man könnte meinen, dass Speck das neue Accessoire der Models ist. Was heftig klingen mag, wurde jetzt von Tyra Banks mit einer eigenen US-Show bestätigt. Victoria Beckham hingegen klammert sich weiterhin an Size Zero und hungert, was das Zeug hält.

Als 2006 das brasilianische Model Ana Carolina Reston Macan an den Folgen ihres Magerwahns verstarb, wurden die ersten Stimmen laut, etwas gegen den Size Zero-Wahn zu unternehmen. An oberster Stelle in diesem Kampf stehen selbstverständlich Stars, Sternchen und die internationalen Modemetropolen. Im Kampf gegen den Magerwahn treten jetzt Tyra Banks und Victoria Beckham mehr oder weniger in den Kampf. Die 17jährige Sheridan Watson aus den Vereinigten Staaten trägt Konfektionsgröße 44 und wurde so eben von Tyra Banks zur Gewinnerin einer Modelshow erklärt. Das Format dieser Castingshow erinnert an Germanys Next Topmodels, nur dass es darum geht, Durchschnittsfrauen den Weg zum Catwalk zu ermöglichen.

Ein bisschen Bauch, Busen, Hüfte und alles, was man als Frau nur haben kann, war deutlich zu sehen – dennoch sind die Teilnehmerinnen der Reihe nach hübsch und für Designer durchaus interessant gewesen. Denn auch die Kreativen der Szene setzen mittlerweile mehr auf Durchschnitts-Typen als auf heruntergehungerte Mädchen. Tyra Banks, selbsterklärte Missionarin im Kampf gegen den Magerwahn, hat auf ihrer Seite auch Designer wie den Londoner Mark Fast und die Italienerin Elan Miro, die vor kurzem ebenfalls bei ihren Kollektionen ausschließlich auf Models mit großen Größen setzten.

Designerverbände bekennen sich gegen Magermodels, die Fashionweek in Madrid legte sogar einen mindestgeforderten Body-Mass-Index fest, mit welchem Models auf den Laufsteg geschickt werden dürfen. Wobei ein solcher Mindest-BMI sich auf eine Konfektionsgröße von 34 beschränkt – aber immerhin ein Fortschritt.

In diesen Diskussionen fällt eine Stil-Erscheinung auf, die sich scheinbar noch nicht ganz sicher ist, worauf sie setzen soll: Victoria Beckham, selbst wieder und wieder in den Medien wegen ihrer deutlich erkennbaren Knochenfigur. Sie unterstützt zwar Aktionen, die Mädchen vom Hungern abhalten sollen und verteidigt die neuen Ziele der Modeverbände, handelt aber dennoch widersprüchlich. Den Ärger dieser neuen Revolution zog sie damit auf sich, dass sie auf der New Yorker Fashion Week ihre Kollektion von Size-Zero models tragen ließ. Ein deutliches Zeichen gegen die neue Fett-Bewegung.

Nichtsdestotrotz erhält Tyra Banks & Co prominente Unterstützung – wobei man nicht genau zuordnen kann, ob es sich dabei um eine neue, lukrative Zielgruppe handelt oder tatsächlich um die Revolution der Modewelt – die Rede ist von der Vogue. Mit einem neuen Online-Format, speziell für Frauen mit großen Größen, wird nicht wirklich der tatsächliche Durchschnittstyp präsentiert. Die normale Frau von heute kann nicht mit Problemzonen glänzen, die kaum auffallen; anders als bei den Frauen der “Vogue“.

Nun gut, beobachtet man die internationalen Modeentwicklungen, kommt zwangsläufig die Frage auf, was das für Deutschland heißt. Hier machen wir kleinere Schritte – “Brigitte” bucht nur noch normale Frauen, Dove ist schon lange erfolgreich mit den selbstbewussten Durchschnittsfrauen aus der TV-Werbung und ab wann es bei uns eine Casting-Sendung für Mollige geben wird, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Fazit des Kampfes – Victoria Beckham fehlt es an Gradlinigkeit und Glaubwürdigkeit, dennoch ist die Mehrheit der Modewelt noch nicht Anhänger dieser Fett-Revolution. Frauen wie Tyra Banks, Events wie die internationalen Modewochen und anerkannte Designer schmelzen hingegen allmählich zu einer Einheit zusammen und positionieren sich – wann der bewusste Run losgeht? Man weiß es nicht. Wir können bis dahin nur warten, weiterhin schamhaft unsere Pölsterchen verstecken und hoffen, dass sich die Tyra-Fraktion bald in Bewegung setzt.

 
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