Flughafen Berlin-Brandenburg: Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung wird verhandelt

3. Juli 2012 - 10:49 - keine Kommentare

Die Gemeinde Kleinmachnow zieht den den von Pannen gebeutelten Flughafen Berlin-Brandenburg erneut vor den Kadi. Beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig soll geklärt werden, ob veränderte Flugrouten bereits seit Jahren bekannt waren, jedoch wissentlich verheimlicht wurden.

Erneute Schwierigkeiten bringen den Neubau des Flughafens Berlin-Brandenburg nur wenige Wochen seit der letzten Verzögerung wieder in die Schlagzeilen. Der Großflughafen, der eigentlich im Juni hätte eröffnet werden sollen, sieht sich nun mit einer Klage durch die Gemeinde Kleinmachnow, die Gewog-Wohnungsbaugesellschaft und weitere Anwohner konfrontiert, über abgeänderte und für die Kläger stark einschränkende Flugrouten bereits seit mehreren informiert gewesen zu sein, bevor sie 2010 erstmalig öffentlich gemacht wurden.

Flughafen Berlin-Brandenburg: Verfahren vorm Bundesverwaltungsgericht

Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig entscheidet am 03ten und 04ten Juli 2012 über den Vorwurf an die Betreibergesellschaft und das Land Brandenburg, bei den Planungen der Flugrouten und ihrer Auswirkungen auf Anwohner in vollem Bewusstsein anderer Tatsachen im Planfeststellungsverfahren gelogen zu haben. Das Kleinmachnower Problem liegt in der notwendigen Umleitung der Flugrouten, die nicht wie geplant über zwei gerade Strecken verlaufen kann, sondern eben über der Gemeinde abknicken müssen und somit zu einer unerwarteten und schweren Belastung führen können.

Mutmaßlich soll diese Notwendigkeit schon seit 1998 bekannt gewesen sein, die Planung hätte aber dennoch unter falschen Voraussetzungen stattgefunden. Erst 2010 betonte die Deutsche Flugsicherung, dass eine Umsetzung der geraden Strecken bei Parallelstarts nicht möglich sei. Die nachfolgenden Proteste gipfeln nun im Verfahren in Leipzig, dem ein Gesprächsprotokoll der Projektplanungsgesellschaft als Basis dient, in dem genau jene Notwendigkeit abknickender Flugrouten erwähnt wird.

Bürgerinitiative gegen Großflughafen: Streit um Flugrouten

Die gut organisierte Bürgerinitiative hat eine vollständige Akteneinsicht vor dem Verfahren erwirken können und bereitet sich entsprechend auf den Verhandlungstag vor. Sollte ihrem Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung stattgegeben werden, so würde dem Flughafen Berlin-Brandenburg nach der Erhöhung der Kosten um Milliarden-Beträge und einer Verzögerung der Eröffnung um mehr als ein Jahr nunmehr ein weiterer herber Schlag bevorstehen, der die Zukunft des Neubaus ungewiss macht.

Bild:Flughafen Schönefeld von sqfp.info, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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