Tarifverhandlungen bei der Bahn: Gewerkschaften streiten sich untereinander

19. August 2014 - 10:57 - keine Kommentare

Die Verhandlungen über die neue Tarifrunde für die Mitarbeiter der Bahn gelten als vorerst gescheitert – denn bevor überhaupt die Löhne und Gehälter debattiert werden konnten, streiten sich die beiden Gewerkschaften GDL und EVG über die Befugnisse und die Machtverhältnisse.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat sich bislang mit dem Vorstand der Deutschen Bahn über die Bezahlung von etwa 20.000 Lokführern unterhalten, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) war für etwa 140.000 weitere Mitarbeiter des Großunternehmens zuständig – beide Grundsätze galten bis Juni, als Ende des Monats der Vertrag auslief. Seitdem wollen beide Gewerkschaften das Recht beanspruchen, auch für den Teil des jeweils anderen sprechen zu dürfen. Solange sich die Arbeitnehmervertreter jedoch nicht darüber einig werden können, welche Arbeitnehmer von wem vertreten werden sollen, liegen die Tarifverhandlungen brach.

Die GDL und die EVG streiten sich bei den Bahn-Tarifverhandlungen um die Befugnisse

Die Aufgabe von Gewerkschaften besteht in erster Linie darin, mit den Arbeitgebern Modalitäten zu vereinbaren, die den Arbeitnehmern angemessene Bezahlungen und den zur Arbeit passenden Ausgleich zusichern. Um die nötige Verhandlungsbasis zu erreichen, müssen nicht nur die Arbeitnehmer, sondern eben auch die Gewerkschaften eine Geschlossenheit demonstrieren, die dem Einfluss des Arbeitgebers entgegengesetzt werden kann. Da die GDL und die EVG derzeit untereinander streiten, bleiben die Interessen der Bahn-Mitarbeiter zwangsläufig auf der Strecke.

Der Bahn-Konzern beschuldigt die GDL, mit ihrer Forderung, nicht nur die 20.000 Lokomotivführer selbst vertreten zu wollen, sondern auch für die weiteren 140.000 Mitarbeiter zu sprechen, für einen „beispiellosen Rückschritt“ in den Verhandlungen gesorgt zu haben. Die Lokführer-Gewerkschaft gilt in ihrem Abschnitt als erfolgreich und glaubt, mit einer Tarifeinheit „Pluralität und Wettbewerb“ umgehen zu können und damit auch für die Bahn-Angestellten bessere Konditionen aushandeln zu können.

Deutsche Bahn Personalvorstand Weber: Verständigung und Zusammenarbeit

Im ersten Schritt allerdings scheint die Forderung, alle Arbeitnehmer vertreten zu wollen, zunächst den Arbeitgebern in die Hände zu spielen: Die Bahn ließ verlautbaren, dass eigentlich am Mittwoch ein Angebot für die Lokomotivführer hätte vorgelegt werden sollen, man nun aber die Lage neu sondieren müsse. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber teilte mit, „eine Verständigung auf eine neue Form der Zusammenarbeit“ anzustreben, etwa, indem die 140.000 fraglichen Mitarbeiter zwischen der EVG und der GDL aufgeteilt würden.

Im Gegensatz zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer bereits Forderungen für die Tarifverhandlungen formuliert: Demnach sollen die Gehälter und Löhne um fünf Prozent angehoben werden, während die wöchentlichen Arbeitszeiten auf 37 Stunden sinken und die Schichten besser geregelt werden sollen.

Bild: Deutsche Bahn von johnjones, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Tarifverhandlungen bei der Bahn: Gewerkschaften streiten sich untereinander

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!