Bruttoinlandsprodukt: Wirtschaftsleistung schrumpft im zweiten Quartal

14. August 2014 - 12:52 - keine Kommentare

Nach anderthalb Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erstmals wieder geschrumpft: 0,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum wurden im zweiten Quartal 2014 ermittelt, die wirtschaftliche Leistung in Deutschland stagnierte oder ging zurück. Auch geringere Investitionen sollen für die überraschende Entwicklung verantwortlich sein.

Experten hatten bereits angenommen, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal des laufenden Jahres nicht besonders gut aussieht, doch in den meisten Fällen wurde damit gerechnet, dass das BIP einfach auf der Stelle tritt. In ganz pessimistischen Fällen haben Volkswirte einen Rückgang von 0,1 Prozent vermutet, während besonders optimistische Analytiker mit einem nur geringen Anstieg von 0,1 Prozent rechneten – nun aber zeigen die aktuellen Zahlen, dass die Wirtschaftsleistung deutscher Unternehmen um 0,2 Prozent schrumpfte im Vergleich zum gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Besonders der Außenhandel soll dabei negativen Einfluss genommen haben.

Überraschung für Volkswirte und an der Börse: 0,2 Prozent geringeres Bruttoinlandsprodukt

Im ersten Quartal 2014 konnte die deutsche Wirtschaft noch vom milden Winter profitieren und wuchs um 0,7 Prozent an. Zwischen April und Juni jedoch sollen die Exporte abgeschwächt worden sein, die Importe gestiegen und auch die Investitionen vor allem im Immobilien-Bereich sollen rückläufig gewesen sein, während die Privat-Ausgaben zugelegt hätten. Mögliche Gründe werden auch in außenpolitischen Entscheidungen gesucht und in den derzeitigen Krisen in der Ukraine, in Palästina und in Syrien.

Nachdem die französische Wirtschaft zuletzt schrumpfte, hat es nun auch die größte Volkswirtschaft in Europa getroffen: Die verloren gegangene Dynamik der deutschen Entwicklung könnte sich auch auf die gesamtwirtschaftlichen Umstände in der Euro-Zone auswirken. Die Börse in Frankreich reagierte auf die Nachrichten am Morgen mit einer um 0,4 Prozent geringeren Notierung. Der Euro-Stoxx-50 ging sogar um 0,7 Prozent zurück.

Umstellung der BIP-Berechnung: 80 Milliarden mehr durch statistischen Effekt

Trotz des prozentualen BIP-Rückgangs wurde jedoch auch zugleich gemeldet, dass das Bruttoinlandsprodukt um 80 Milliarden Euro gewachsen sei: Grund hierfür ist die Umstellung der Berechnungsgrundlage auf das Europäische System der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (ESVG), das seit 2010 besteht und wonach alle statistischen Erhebungen seit 1991 umgerechnet werden. Das Statistische Bundesamt stellt daher nun eine deutlich höhere BIP-Summe fest – die perfider Weise auch Wirtschaftszweige beinhaltet, die sicherlich zur Volkswirtschaft gehören, aber auch nicht unbedingt integer sind – Prostitution, Drogenhandel und Zigarettenschmuggel werden in Medienberichten zum Bruttoinlandsprodukt regelmäßig genannt. Zum 01. September 2014 soll das Berechnungssystem europaweit umgestellt sein.

Bild: Wirtschaft von L2F1, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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