Hilfskonvoi für die Ostukraine: Kiew misstraut Moskau

13. August 2014 - 10:31 - keine Kommentare

280 weiße Lastwagen sind von Russland aus auf dem Weg in die Ostukraine, um die Bevölkerung mit Hilfsmitteln zu versorgen. Was manche als humanitäre Aktion werten, wird vor allem im Westen argwöhnisch beäugt: Man befürchtet, es würden Waffen geschmuggelt werden.

Als eine Art fahrendes Trojanisches Pferd werden die russischen LKW angesehen, die sich derzeit auf die Ukraine zubewegen: In Kiew wird befürchtet, die Hilfsgüterlieferung solle nur die Ausstattung der prorussischen Separatisten mit Waffen verschleiern, manche gehen sogar so weit, einen auf diesem Wege vorbereiteten Einmarsch russischer Truppen zu befürchten. Laut Russland sollen die 280 Fahrzeuge Medikamente, Generatoren zur Stromerzeugung und auch Lebensmittel transportieren, insgesamt werden 2.000 Tonnen an Hilfsmitteln geliefert. Der russische Außenminister Sergej Lawrow gab in einem Telefonat mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier an, die Hilfslieferung würde sowohl mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes als auch mit der ukrainischen Führung abgestimmt sein.

Die ukrainische Regierung traut dem russischen Hilfskonvoi nicht

In Kiew allerdings will die Regierung, dass der Konvoi komplett dem Roten Kreuz übergeben wird, sobald er die Grenze zur Ukraine erreicht hat. Auch der Vizechef der ukrainischen Präsidialverwaltung, Waleri Tschaly, gab an, dass die LKW aus Russland nicht auf das Staatsgebiet der Ukraine gelassen werden würden. Auch Andrej Lyssenko, Sprecher des Sicherheitsrates, äußerte die Befürchtung des Waffenschmuggels per Hilfsgüterlieferung. Sogar der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, warnte vor einem solchen Vorgehen in einem Telefonat mit Russlands Präsident Wladimir Putin.

Beim Roten Kreuz hingegen hieß es, dass eine solche Hilfsaktion genau abgestimmt werden müsste und ohne militärische Begleitung abgewickelt werden solle, damit sich alle Seiten sicher fühlen könnten. Als Lösung für das Vertrauensdilemma wird derzeit überdacht, ob die Umlagerung der Hilfsgüter auf andere Lastwagen an der ukrainischen Grenze bewerkstelligt werden kann, um der Gefahr eines militärischen Übergriffes in Donezk und Lugansk vorzubeugen.

Hilfsmittellieferung aus Moskau für die ostukrainischen Krisengebiete

Die Nachrichtenagentur „Ria“ meldete, dass die Lastwagen auch 400 Tonnen Grütze, 100 Tonnen Zucker, Kindernahrung und Schlafsäcke in die umkämpften Gebiete der Ukraine bringen sollen. Die Hilfsmittel sollen vor allem von Moskaus Einwohnern und jenen aus der Umgebung gespendet worden sein. Am Dienstag wurde der russische Konvoi in Woronesch erwartet und von dort aus könnte er auf direktem Wege nach Lugansk gelangen – allerdings hieß es, die Grenze von Russland zur Ukraine solle bei Charkow passiert werden.

Bild:Wladimir Putin von IoSonoUnaFotoCamera, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Hilfskonvoi für die Ostukraine: Kiew misstraut Moskau

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!