Direkte Präsidentschaftswahl in der Türkei: Wahlsieg für Erdogan

11. August 2014 - 09:38 - keine Kommentare

Recep Tayyip Erdogan wurde als erster Präsident der Türkei direkt gewählt: Er folgt Abdullah Gül im Amt und gab an, stärker als sein Vorgänger auf die tagesaktuelle Politik wirken zu wollen. Nach seinem Wahlsieg betonte er den „Willen des Volkes“.

Zum ersten Mal wurde in der Türkei und von im Ausland lebenden Türken der Präsident des EU-Beitrittslandes direkt gewählt: Der Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat mit 51,8 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit erzielen können, sein Konkurrent EkmeleddinIhsanoglu bekam 38,5 Prozent. „Wir beenden eine Ära und schreiten fort in eine neue“, sagte der 60-jährige konservative Politiker, der vor allem bei religiös-konservativen Wählern geschätzt wird, während progressivere Kräfte im Land wie auch die westlichen Länder bemängeln, dass der Regierungschef sich zunehmend vom Westen entfernt.

Präsidentschaftswahl: Türken wählen Erdogan mit absoluter Mehrheit

Er wolle das „Staatsoberhaupt aller 77 Millionen Türken sein“, wird Erdogan in Medienberichten zitiert. Auch solle ein „neuer sozialer Versöhnungsprozess“ angestrebt werden, womit der neue Präsident der Türkei zum einen auf die unterschiedliche Herkunft türkischer Bürger, die unterschiedlichen Glaubensrichtungen im Land und auch die Aussöhnung mit den Kurden rekurrierte.

Die Präsidentschaftswahl in der Türkei ist in mehrfacher Hinsicht von geradezu historischer Bedeutung: Zum ersten Mal hat nicht das Parlament, sondern die 53 Millionen Wähler in der Türkei über die Personalfrage des höchsten Amtes entschieden und zum anderen wurden ebenfalls erstmals auch die 2,8 Millionen Türken im Ausland an die eigens hierfür eingerichteten Wahlurnen gebeten. In sieben Städten in Deutschland konnten hier lebende türkische Bürger ihre Stimme abgeben: Zwei Drittel von ihnen stimmten für Erdogan. Allerdings kam die Wahlbeteiligung im Ausland auf lediglich 8,3 Prozent.

Direktwahl in der Türkei: Erstmals auch für im Ausland lebende Bürger

Dennoch äußerte sich der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Safter Çinar, skeptisch zu Erdogans Wahlsieg: Er hofft auf eine moderate Politik des neuen Präsidenten, da er ansonsten erneute Auseinandersetzungen in der Türkei befürchtet, die sich gegen den „autoritären Führungsstil“ wenden würden. Erdogan selbst kündigte nach seinem Wahlsieg an, die Verfassung der Türkei dahingehend ändern zu wollen, dass dem bislang eher repräsentativen Amt des Präsidenten neue und größere Befugnisse zugestanden werden. Aus diesem Grund befürchten Kritiker jedoch auch eine noch größere Konzentration der Macht. Erdogan soll zwei Amtszeiten als Präsident anstreben, nachdem er gemäß der Statuten seiner Partei, der AKP, nicht zum vierten Mal hätte Ministerpräsident werden können, hieß es aus Ankara.

Bild: Recep Tayyip Erdogan von Glyn Lowe Photoworks., CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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