Abwicklung der Banco Espírito Santo: Portugals Privatbank bekommt 4,9 Milliarden

4. August 2014 - 10:25 - keine Kommentare

Banco Espírito Santo

In Lissabon wurden eiligst Schritte eingeleitet, um die Banco Espírito Santo (BES) zu retten: Im Zuge von verschleierten Verlusten und der verschleppten Krise der dazugehörigen Unternehmensgruppe mussten 4,9 Milliarden Euro angewiesen werden, um Kunden und Anleger vor Finanzschäden zu schützen.

Eine der größten Banken Portugals steht auf der Kippe: 4,9 Milliarden Euro wurden aus einem Abwicklungsfonds bereitgestellt, um die Banco Espírito Santo (BES) zu retten – schlechte Geschäfte und möglicherweise auch kriminelle Machenschaften haben dazu geführt, dass den Anlegern und Privatkunden große Verluste ins Haus stehen, die Unternehmensfamilie gefährdet ist und sogar eine handfeste Finanzkrise dem ganzen Land drohen könnte. Unter neuem Namen sollen die Bankgeschäfte nun jedoch sauber weitergeführt werden, während die finanzielle Hilfe alle Beteiligten vor noch größerem Schaden schützen soll.

Banco Espírito Santo: 4,9 Milliarden für Portugals Pleitebank

Die Geschäfte der Banco Espírito Santo lassen sich bis ins vorletzte Jahrhundert verfolgen, nach 1937 stieg sie zur größten Privatbank Portugals auf, zwischen 2007 und 2011 wurde die BES jeweils zur „Besten Bank Portugals“ gewählt, doch nun befindet sich das Traditionshaus in der Krise – und diese scheint selbstgemacht. Denn der ehemalige Bankenchef Ricardo Salgado wurde vor zwei Wochen erst wegen des vermuteten Betruges, der Geldwäsche, von Fälschungen und des Vertrauensmissbrauch verhaftet. 3,57 Milliarden Euro sollen in den ersten beiden Quartalen 2014 als Verlust abgerechnet worden sein, die Aktie war lediglich 20 Cent wert.

Nicht nur Investoren und Kunden sind besonders von der Finanzmisere betroffen, durch die engen Verknüpfungen mit der Volkswirtschaft Portugals stünde eine landesweite Krise an, wenn nicht eine Finanzspritze von mehreren Milliarden in die Pleitebank gepumpt würde: Aus dem Hilfspaket der EU, das im Jahr 2012 gezahlt wurde, konnte ein Abwicklungsfonds mit 12 Milliarden Euro gegründet werden – nun sollen sich darin noch 6,4 Milliarden befinden, während 4,9 Milliarden für die Rettung der Bank verwendet wurden.

Bankenrettung: BES wird zur Novo Banco

Die Espírito Santo hat derweil aufgehört in ihrer bisherigen Form zu existieren: Als „Novo Banco“, neue Bank, soll sie ab sofort ihre Geschäfte weiterführen – auf diese Weise soll der Schutz der Einlagen und Dienste, der Arbeitsplätze und der Geschäftsbeziehungen gewährleistet sein, sagte Carlos Costa, Chef der Zentralbank. Ihm zufolge brauchen Kunden, Staat und Steuerzahler gleichermaßen keine Verluste durch die Bankenrettung zu fürchten, Aktionäre allerdings könnten ein Restrisiko tragen.

Bild:Banco Espírito Santo von Nacho, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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