Geheimdienstaffäre: Snowden enthüllt Abstimmungs-Manipulationen durch das britische GCHQ

15. Juli 2014 - 09:21 - keine Kommentare

Aus Edward Snowdens Akten konnten weitere geheimdienstliche Erkenntnisse gewonnen werden: Nicht nur zur Überwachung, auch zur direkten Manipulation von Internet-Inhalten hat das britische GCHQ die Entwicklung von Programmen in Auftrag gegeben, mit denen Meinung gemacht und Abstimmungen verändert werden kann.

Kurz bevor das britische Parlament über eine gesetzliche Ausweitung der Befugnisse des Geheimdienstes abstimmt, wurden neue Informationen aus den Unterlagen von „Whistleblower“ Edward Snowden bekannt: Das „Government Communications Headquarters“ (GCHQ) soll gezielt Programme entwickelt haben, die dazu eingesetzt werden können, Stimmungen und Meinungen im Internet zu manipulieren, Abstimmungen zu beeinflussen und verschiedene weitere Kanäle, wie etwa Skype, auszuspionieren. Auch soll es möglich sein, die Zugriffe auf Webseiten zu steuern und E-Mail-Identitäten anzunehmen heißt es in einer Veröffentlichung des Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald auf seinem Blog „The Intercept“.

Edward Snowden: Großbritanniens Geheimdienst kann Abstimmungen manipulieren

Die Entwickler der hauseigenen „Joint Threat Research Intelligence Group“ (JTRIG) haben ihren Programmen ausgesprochen klingende Namen vergeben, die keinen Zweifel über den Sinn und Zweck der Werkzeuge lassen: „Warpath/Kriegspfad“ etwa soll massenweise SMS verschicken, um die gewünschte Informationskampagne zu unterstützen, „Angry Pirate/verärgerter Pirat“ wird eingesetzt, um das Benutzerkonto auf einem Computer einer Zielperson permanent lahmzulegen, „Predators Face/Jägergesicht“ soll einen Dienstblockade-Angriff auf Webserver einleiten und „Changeling/Wechselbalg“ kann eingesetzt werden, um jede E-Mail-Adresse zu simulieren und mit der fremden Identität Nachrichten zu versenden.

Auch Seiten wie Ebay werden durch entsprechende Programme („Elate/erfreut“) überwacht, Skype kann abgehört werden („Miniature Hero/Miniaturheld“). Besondere Aufmerksamkeit müssen jedoch die Tools „Gateway/Pforte“, „Slipstream/Sog“ und „Underpass/Unterführung“ bekommen: Denn diese sind dafür verantwortlich, für das GCHQ künstlich die Zugriffe auf eine Webseite zu steigern und die Pageviews aufzublasen, sowie die Ergebnisse von Online-Abstimmungen zu verändern. Damit kann der britische Geheimdienst nicht nur Meinungen und Entscheidungen überwachen, sondern auch gezielt darauf Einfluss nehmen und Propaganda streuen.

Neue Informationen in der Geheimdienstaffäre: Malware-Programme vom GCHQ

Der Geheimdienst selbst versichert, die Werkzeuge seien allesamt mit geltendem Recht und den Menschenrechten vertretbar, die Watchdog-Organisation „Privacy International“ hat jedoch bereits rechtliche Schritte gegen den Einsatz von Malware zu Spionagezwecken eingeleitet und auch Liberty und Amnesty International haben sich neben weiteren sieben Organisationen gegen die geplante Gesetzesänderung der britischen Regierung gestellt.

Derzeit wird darüber im Eilverfahren entschieden, inwieweit der Geheimdienst seine Möglichkeiten zur Überwachung von Telefonleitungen und Internetverbindungen ausweiten kann – Premierminister Cameron nannte die Situation einen „Notfall“, Edward Snowden sprach sich massiv gegen die neuen Gesetze aus.

Bild: Edward Snowden von zennie62, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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