Arbeitslosenstudie vom DGB: Weniger Förderung von Nichtleistungsempfängern

14. Juli 2014 - 10:33 - keine Kommentare

234.692 Arbeitslose von insgesamt 969.598 von der Arbeitslosenversicherung erfassten Personen bekommen vom Jobcenter weder Geld noch Förderung – dies geht aus einer Studie hervor, die de Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vorgestellt hat. Besonders diese Nichtleistungsempfänger sollen sich jedoch durch eine hohe Qualifikation auszeichnen.

Rund ein Viertel jener Arbeitslosen, die in der Arbeitslosenversicherung gemeldet sind, gelten dem Jobcenter als „Nichtleistungsempfänger“: Sie haben sich bei der Bundesagentur für Arbeit vorstellig gemacht, müssen sämtliche Pflichten von Erwerbslosen erfüllen – inklusive bestimmter Anzahlen von Bewerbungen und der Offenlegung finanzieller Verhältnisse – und gelten als besonders motiviert und qualifiziert, denn in dieser Gruppe befinden sich eine Vielzahl von Akademikern. Und sie erhalten kein Geld aus der Arbeitslosenversicherung, da sie keine zwölf Monate in einer Zweijahresfrist durch die Ausübung einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in die Versicherung eingezahlt haben. In der nun vom DGB veröffentlichten Studie, die Sabrina Klaus-Schelletter mit Wilhelm Adamy erstellt hat, wird jedoch auch von geringeren Leistungen bei der Arbeitsvermittlung gesprochen.

Kein Geld, kaum Förderung: Nichtleistungsempfänger der Arbeitslosenversicherung

Wer nicht in Arbeitslosenversicherung einzahlt, kann auch keine finanziellen Leistungen daraus geltend machen – Selbständige und Freiberufler, langjährig zuhause gebliebene Mütter und Väter müssen auf Erspartes zurückgreifen oder ihre PartnerInnen werden zur Unterstützung herangezogen. Als Nichtleistungsempfänger scheinen aber auch die rechtlich zugesicherten Maßnahmen der Jobcenter sich auf einem Mindestmaß zu bewegen, wie die DGB-Studie nahelegt. Denn wer von der Bundesagentur Geld bezieht, soll schnell vermittelt werden, um die Kosten einsparen zu können – Arbeitslose ohne Leistungsempfang werden als nicht so dringlich angesehen, da sie keinen Kostenpunkt darstellen.

Dabei sollen sich in dieser Gruppe laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund mit 16,7 Prozent besonders viele Personen mit einem Hochschulabschluss befinden und auch die schulische oder betriebliche Ausbildung ist mit 57 Prozent hoch, wenn auch geringer als bei jenen Arbeitslosen mit Anspruch auf Leistungen (65 Prozent). Diese hohe Qualifizierung mag auch erklären, warum die sogenannte „Aktivierungsquote“, die über die Teilnahme an Maßnahmen zur besseren Vermittlung herangezogen wird, bei Nichtleistungsempfängern bei nur 12 Prozent liegt.

DGB-Studie: Arbeitsagentur zahlt jedem Vierten in der Arbeitslosenversicherung kein Geld

Das bedeutet aber auch, dass hochqualifizierte und potentiell motivierte Erwerbslose, die kein Geld vom Arbeitsamt bekommen, auch weniger bei ihrer Suche nach Arbeit gefördert werden und damit beim oft lamentierten Fachkräftemangel nicht aushelfen können: Der an das zuvor bezogene Arbeitslosengeld gebundene Gründungszuschuss wird aus diesem Grund nicht gezahlt, die Vermittlung von Arbeitsstellen wird zuerst bei Leistungsempfängern versucht, will die Studie herausgefunden haben.

Gleichzeitig soll aber auch die Personenzahl der Arbeitslosen, die keine Leistungen erhalten, gesunken sein: Zwischen 2007 und 2014 soll die Zahl von etwa 500.000 auf weniger als die Hälfte geschrumpft sein, während sich auch das Männer/Frauen-Verhältnis anglich. Waren damals noch zwei Drittel der Nichtleistungsempfänger Frauen, kann bei ihnen mit 115.000 zu 119.000 Männern ebenfalls ein deutlicher Rückgang beobachtet werden.

Bild: Arbeitsagentur von Moe, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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