Optimismus und Pessimismus bei Wirtschaftsprognosen: Forschungsinstitute uneins

10. Juli 2014 - 11:02 - keine Kommentare

Gleich drei Prognosen beschäftigen sich derzeit mit den kommenden Entwicklungen der deutschen Wirtschaft – einig sind sie sich nur ausgesprochen bedingt. Während manche Beobachter schon „goldene Zeiten“ anbrechen sehen, bleiben andere skeptisch oder direkt pessimistisch, wenn die Investitionslaune in Deutschland nicht zunimmt.

Laut dem „Handelsblatt“ findet Michael Böhmer, Chefvolkswirt beim Forschungsinstituts Prognos aus der Schweiz, nur lobende Worte für das nächste Jahrzehnt: Die deutsche Wirtschaft soll seiner Meinung nach in den Zwanzigern geradezu aufblühen, wenn sich die Steigerung ab 2020 bei jährlich 1,5 Prozent bewegen soll. Und nicht nur hierzulande, auch in den restlichen Ländern der EU soll es wieder zu verstärkten Investitionen kommen, so dass vielerorts das Niveau erreicht wird, das vor der Euro-Krise gemessen wurde. Für andere Wirtschaftsprognosen ist aber gerade der Investitionsimpetus entscheidend – und wird bei Weitem nicht so optimistisch gesehen wie bei den Schweizer Volkswirten.

Optimistische und pessimistische Wirtschaftsprognosen zur Entwicklung in Deutschland

So sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung besonders in den Ausgaben für die privaten und geschäftlichen Infrastrukturen das größte Problem: Alleine, um das aktuelle Niveau zu halten, müssten demnach pro Jahr einhundert Milliarden Euro bereitgestellt werden, doch für Marcel Fratzscher vom DIW ist gerade diese Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Wirtschaftlichkeit in Deutschland wenig zu spüren. Er befürchtet laut der Online-Ausgabe des „Spiegels“ ein niedriges Wachstum oder gar Stagnation.

Ähnlich pessimistisch hat sich die Boston Consulting Group geäußert: Die schon ab dem nächsten Jahr erwarteten geringen Wachstumsraten sollen für die BCG vor allem im Fachkräftemangel begründet sein – 10 Millionen Fachkräfte sollen spätestens gegen Ende der 2020er auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland fehlen, prognostizieren die Wirtschaftsforscher.

Forschungsinstitute rufen zu mehr Investitionsbereitschaft auf

Die jüngsten politischen Entwicklungen sind derweil allen drei Forschungsinstituten ein Dorn im Auge: Die Rente mit 63 und staatliche Zuschüsse für die Altersvorsorgen sind nicht im wirtschaftlichen Interesse und entsprechend sehen die meisten Experten auch eher in einer verstärkten Zuwanderung von Fachpersonal, der größeren Beschäftigung weiblicher Arbeitnehmer und möglichst lange Dienstjahre älterer Angestellter die Möglichkeiten, um die Produktivität aufrecht zu halten. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass die vorhandenen Gelder weniger in Konsumgüter und mehr in den Ausbau der Volkswirtschaft investiert würden, heißt es in Medienberichten zu den Wirtschaftsprognosen.

Bild:Wirtschaft von Senfwurst, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Optimismus und Pessimismus bei Wirtschaftsprognosen: Forschungsinstitute uneins

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!