Rente mit 63: Antragswelle nach Beschluss des Rentenpakets

9. Juli 2014 - 10:29 - keine Kommentare

Die Jahrgänge bis 1953 sollen gemäß des neuen Rentenpakets eine abschlagsfreie Rente ab 63 genießen können – der Vorstoß von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat innerhalb einer Woche bereits mehr als ein Fünftel der prognostizierten Anträge bei der Deutschen Rentenversicherung ausgelöst.

Wer 45 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und zudem vor 1953 geboren wurde, soll früher als die Kollegenschaft in Rente gehen können: Wo früher herbe Abschläge in Kauf genommen werden mussten, soll die Rente mit 63 gemäß der von der SPD und der Arbeitsministerin Andrea Nahles angestrebte Neuregelung einen abschlagsfreien Lebensabend garantieren, wenn die nötigen Voraussetzungen geschaffen wurden. Bei 50.000 Arbeitnehmern scheint dies bereits eine Woche nach Beschluss des Rentenpakets der Fall zu sein, denn von den angenommenen 240.000 Anträgen, mit denen im gesamten Jahr gerechnet wurden, hat sich dieses Fünftel schon bei der Deutschen Rentenversicherung gemeldet.

50.000 Rentenanträge in einer Woche: Rente mit 63 löst Antragswelle aus

Die neue Rentenregelung soll laut den Prognosen der Bundesregierung 60.000 Rentenanträge mehr als zuvor auslösen, als die Arbeitnehmer noch Abzüge im großen Maße hinnehmen mussten, wenn sie sich frühzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden wollten. 180.000 Anträge waren ursprünglich für das Jahr 2014 anvisiert worden, die Kritik am Rentenpaket reicht dabei von einem vermuteten Fachkräftemangel über wahrgenommene soziale Ungerechtigkeit bis hin zum angenommenen Verstoß gegen das Grundgesetz, wie es in einem von Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Grünen, angeregten Gutachten heißt.

Laut Medienberichten soll der „Gleichheitsgrundsatz“ aus Artikel 3, Absatz 1 GG dadurch verletzt werden, dass zu den 45 Beitragsjahre mit Ausnahme der letzten beiden auch Bezugsjahre des Arbeitslosengeldes I gezählt werden, es sei denn, diese zwei Jahre würden durch die Insolvenz des Arbeitgebers bedingt werden – im Gegensatz zu betriebsbedingten Kündigungen würden sie somit sehr wohl zur Pflichtversicherung gezählt, wodurch das Gutachten zu dem Schluss kommt, die Neuregelung wolle Missbräuche verhindern, dabei aber „Ungleichbehandlungen“ forcieren. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet daher auch von Markus Kurths Bedenken, die Sozialgerichte würden sich bald der ersten Fälle aus der neuen Rentenregelung annehmen müssen.

Andrea Nahles‘ Rentenpaket: Neuregelung und stufenweise Erhöhung des Rentenalters

Die abschlagsfreie Rente mit 63 soll ab dem 01. Juli 2014 bei 45 Beitragsjahren inklusive Arbeitslosenzeiten, Pflegezeiten, Kindererziehungszeiten und weiteren Zeiten gelten – de facto bedeutet dies die Möglichkeit einer frühzeitigen Pensionierung für all jene Arbeitnehmer, die vor 1969 ins Betriebsleben eingestiegen sind – dies schließt alle Jahrgänge vor 1952 ein. Ab dem Jahrgang 1953 wird das Rentenalter stufenweise um zwei Monate pro Geburtsjahr erhöht, so dass Arbeitnehmer, die im Jahr 1963 geboren wurden, mit 64 Jahren und 10 Monaten in Rente gehen können – alle zu einem späteren Zeitpunkt geborenen Angestellten und Arbeiter können mit 65 Jahren die Rente beantragen.

Bild:Rentner von garryknight, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Rente mit 63: Antragswelle nach Beschluss des Rentenpakets

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!