Vorsicht Mafia in der ARD: Das organisierte Verbrechen in Deutschland

7. April 2014 - 19:15 - keine Kommentare

Mafia

Die ARD zeigt in der Dokumentation „Vorsicht Mafia“ den Einfluss, den das organisierte Verbrechen auch in Deutschland genießt – hierfür benötigt es keine Schutzgelderpressungen und Auftragsmorde, vielmehr genügen falsche Rechnungen, Scheinfirmen und Schwarzarbeit, um an das große Geld zu kommen.

Die Mafia ist keine ehrenwerte Familie aus „Der Pate“, sie ist keine populärkulturelle Referenz von „Die Sopranos“, kein finanzielles Vorbild wie „Good Fellas“ – kurz, die Mafia ist eine perfide Realität des organisierten Verbrechens und sie ist seit den großen Prozessen der 1980er Jahre subtiler geworden. Gerade in Deutschland sind die einzelnen Gruppen vielfach vertreten, da sich hier gute, halblegale Geschäfte machen lassen. In „Vorsicht Mafia“ erzählt Marko Rösseler vom Wandel der Organisationen und von ihrem Wirken hierzulande passend zum Prozess gegen vier Italiener vor dem Kölner Landgericht, bei denen vermutet wird, sie würden einer der Mafia-Vereinigungen angehören.

Vorsicht Mafia: Das organisierte Verbrechen in Deutschland

Man kann davon ausgehen, dass die Mafia sich recht schnell dort einfindet, wo es eine Menge Geld zu holen gibt: Kaum ein Wirtschaftszweig ist nicht unterwandert, kaum ein Projekt, bei dem das organisierte Verbrechen nicht in irgendeiner Form mitverdient. Dies kann in Form von Scheinfirmen und Schwarzarbeit geschehen, durch Investments in sowohl illegale als auch völlig legale Geschäfte, mit Menschenhandel, Drogen- und Waffengeschäften und Sozialbetrug oder Steuerhinterziehung geschehen – Hauptsache, das Geld vermehrt sich.

Denn bei allen romantischen Hollywood-Darstellungen der Cosa Nostra oder bei allen Berichten ihrer Schreckensherrschaft sollte man nicht vergessen, dass sämtliche Organisationen dieser Art, ob sie nun aus Sizilien stammen, aus Neapel, Chicago oder Moskau, in erster Linie eine Menge Geld wollen. Spektakuläre Morde, Schießereien und Bombenanschläge stören dabei nur den Frieden und somit das Geschäft. Aber gerade dadurch wird das organisierte Verbrechen gefährlicher denn je: Da eben nicht mehr mit mafiösen Mitteln der Wille durchgesetzt wird, kann die Gesellschaft und die Wirtschaft unterwandert werden – laut der ARD-Reportage hat sich diese neue Generation von Mafiosi bereits in Deutschland in einige der angesehensten Wirtschaftszweige eingenistet, etwa auch bei Windparks für erneuerbare Energien.

ARD-Dokumentation über Mafia-Aktivitäten auf Baustellen

Jede Großbaustelle soll durch Scheinfirmen, falsche Rechnungen und Schwarzarbeiter bereits auf der Gehaltsliste der Mafia zu finden sein, vielfach beginnt dieser Weg bereits bei der Vergabe der Aufträge. Denn auch wenn die derzeit angeklagten vier Gangster angeblich Schafhirten, Eisenflechter, Maurer und Pizzabäcker sein sollen, sind es doch Universitätsabsolventen, Anwälte und Firmenchefs, die die Machenschaften zumindest unterstützen. Gemäß dem Mafiajäger und Staatsanwalt Roberto Scarpinato ist gerade Deutschland nicht nur ein lukratives Geschäftsfeld für die Cosa Nostra, die ‘Ndrangheta und die Camorra, sondern auch eines, auf dem sie in Ruhe gelassen werden.

Marko Rösseler hat sich des Problems des in Deutschland agierenden organisierten Verbrechens aus Italien angenommen und in „Vorsicht Mafia“ in der ARD Fakten zusammengetragen, die helfen sollen, die Problematik nicht mehr länger zu unterschätzen. Die Dokumentation läuft am 07. April 2014 um 20.15 Uhr.

Bild:Mafia von Eneas, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Vorsicht Mafia in der ARD: Das organisierte Verbrechen in Deutschland

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!