Fracking in Mecklenburg-Vorpommern: Test-Bohrung rufen Umweltschützer auf den Plan

7. April 2014 - 09:58 - 1 Kommentar

In Mecklenburg-Vorpommern soll per Fracking-Verfahren eine Test-Bohrung in 2.700 Meter Tiefe durchgeführt werden: Während Medienberichte von umstrittenen und potentiell umweltschädlichen Verfahren sprechen, versichert die bohrende Firma CEP, es handele sich um ein bewährtes Verfahren ohne die Umwelt gefährdende Vorgänge.

Am Bohrloch „Barth 11“ soll nach einem Kurzzeitfördertest im Jahr 2012 nun langfristig nach Erdöl gebohrt werden: Zwischen Ribnitz-Damgarten und Barth soll in Mecklenburg-Vorpommern die erste Horizontalbohrung im Osten Deutschlands in 2.700 Metern Tiefe Öl fördern und dazu auch das Hydraulic Fracturing Verfahren anwenden, zumeist „Fracking“ genannt – dies hat zu Protesten von Bürgerinitiativen und Berichten in Medien geführt, gegen die sich das ölfördernde Unternehmen CEP Central European Petroleum GmbH wendet. Im Gegensatz zu dem in der Tat umstrittenen, wenn auch nicht abschließend geklärten Fracking zur Gewinnung von Schiefergas, soll „Barth 11“ eine Methode einsetzen, die schon lange bewährt sei, heißt es in einer Stellungnahme.

Fracking: Unternehmen wehrt sich gegen Medienberichte

Umweltschützer verweisen beim Fracking – einem Verfahren, bei dem mit Chemikalien versetztes Wasser in Gesteinsschichten unter hohem Druck gepresst wird, um darin enthaltene Stoffe über Risse hinaus zu befördern – auf nicht absehbare Probleme, die durch das Unterspülen des Erdreichs und mögliche Auswirkungen auf das Trinkwasser, hervorgerufen werden können. In den USA wird das Verfahren allerdings höchst lukrativ eingesetzt und hat auch zur unabhängigen Gasförderung geführt.

Laut der Stellungnahme von CEP sollen die Bedenken im Fall des Frackings in Mecklenburg-Vorpommern allerdings hinfällig sein: Die hier angewandte Methode zum Anschluss an konventionelle Öllagerstätten sei mehrere hundert Male auch in Deutschland bereits seit über 50 Jahren eingesetzt worden und hätte nichts mit der Schiefergas-Förderung zu tun. Vielmehr würden die Poren und Fugen in den Gesteinsschichten nur einmal mit dem Frac-Fluid gefüllt, mit dem Bohrloch verbunden und dann geöffnet, so dass das Erdöl mit gleichem Druck fließen kann. Bei der Gewinnung von Schiefergas hingegen müsste viele Male die Flüssigkeit nachgeschoben werden.

Erdöl-Gewinnung in Mecklenburg-Vorpommern zwischen Ribnitz-Damgarten und Barth

Somit sei beim Bohrloch „Barth 11“ nur ein Zehntel der Flüssigkeit notwendig, die zudem auch nicht mit dem Grundwasser in Verbindung komme, da dies durch zwei Kilometer dicke Salz- und Gesteinsschichten geschützt sei. Die CEP konnte mit ihren Erklärungen erfolgreich die standardisierten Frac-Arbeiten von der umstrittenen Schiefergasförderung abgrenzen, die damit vor allem in Medienberichten gleichgesetzt wird. In Niedersachsen etwa wurde aufgrund der Gleichstellung aller Hydraulic Fracturing Arbeiten vor drei Jahren ein Förderstopp beschlossen, der nun langsam wieder aufgehoben werden könnte – dann würde es wieder möglich sein, abseits vom Grundwasser und in Tiefen von mehr als 2.500 Metern künstliche Risse im Gestein zu erzeugen, um darin eingeschlossene Rohstoffe zu gewinnen.

Bild:Fracking von www_ukberri_net, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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Kommentare zu Fracking in Mecklenburg-Vorpommern: Test-Bohrung rufen Umweltschützer auf den Plan

Zu diesem Beitrag gibt es 1 Kommentar.

von erd_gas am 7. April 2014 - 23:18 Uhr

Ziemlicher Blödsinn, mit dem CEP weiter das Volk für dumm zu verkaufen versucht.

Das anschließen von Bohrungen erfolgt für gewöhnlich mittels Perforation Gun, also Hohlladungen, die einige Dezimeter lange Kanäle durch die Bohrlochauskleidung ins Gestein schießen. In der Größenordnung spielt sich auch der “Formation Damage”, also die Beeinträchtigung der Gesteinsdurchlässigkeit durch eingesickerte Bohrspülung ab, die CEP immer vorschiebt. Dazu muss man nicht 70m weit im Gebirge herumfracken, um das zu überwinden, wie CEP vorgibt.

Und da der Begriff Fracking für das aufbrechen von gesteinsschichten durch Druck steht, wird da auch nicht nach Schiefrgas oder anderem Zweck unterschieden. Fracking ist und bleibt Fracking. Zumal sich da CEP mal entshceiden sollte, ob es alles vermischen oder fein differenzieren will. Von den hunderte mal kann nämlich auch keine ede sein, wenn man wirklich vergleichbare Vorhaben sucht.

Es gab
1) einige in etwa vergleichbare Erdöl-Fracs in der DDR
2) und 300 Tightgas-Fracs in Niedersachsen. Von den Ausmaßen und Geologie in etwasvergleichbar, jedoch halt Gas und nicht Erdölförderung. Das ganze liegt aber nicht ohne Gund auf eis, denn bei dem ganzen Gefracke hat es nicht ein einziges begeleitendes Umweltmonitoring gegeben. Man weiß also gar nichts über die Auswirkungen, weil man nie hingeschaut hat. Gescheiterte Facs sind darunter durchaus aktenkundig, etwaige Folgen wurden schlichtweg nicht dokumentiert.
3) eine unbekannte Anzahl Erdöl-Fracs in Westdeutshcland (Zitat LBEG “Da haben wir selbst den Überblick verloren”), zumeist in den 50ern und 60ern. Allerdings handelte es sich dabei um Minifracs im meist einstelligen Kubikmeter-Bereich.

Ziemlicher Nonsens ist auch die Passage mit dem einmaligen Füllen der Poren – man will die Poren geradenicht füllen, deswegen dickt man die Fracfluide ja auch an. Die sollen das Gebirge vor sich auseinanderschieben, und nicht darin versickern. CEP’s Märchenstunde halt…

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