Energiewende: Seehofer torpediert Nord-Süd-Stromtrasse

9. Februar 2014 - 08:16 - keine Kommentare

Die Vorstellung neuer Nord-Süd-Stromtrassen, die Bayern mit ausgleichender Energie zur eigenen Produktion von Ökostrom versorgen sollen, hat zu einem Unions-Streit geführt: CSU-Chef Horst Seehofer hat einen Planungsstopp der neuen Netzstruktur gefordert und stellt damit auch wesentliche Aspekte der Energiewende infrage.

Bundeskanzlerin Merkel hatte bei der Nord-Süd-Trassen-Vorstellung betont, dass eine Neuplanung der Netzstruktur im Zuge der Energiewende notwendig sei und sich die Ministerpräsidenten dabei einig seien – der bayerische CSU-Vorsitzende Horst Seehofer allerdings hat sich nun gegen die Versorgungstrassen gestellt: Er will, dass die Notwendigkeit der Stromversorgung Bayerns mit Energie aus dem Norden überprüft wird und dabei auch die Kosten für die Bürger des Freistaats neu errechnet werden. Bis Herbst will er, dass ein Moratorium vorgelegt wird, in dem Machbarkeit und Bedarf geklärt werden sollen. Gerade aus der Schwesterpartei CDU hagelt es an Kritik am bayerischen Vorstoß.

Horst Seehofer fordert Moratorium zu Nord-Süd-Stromtrassen

Und als ein solcher werden die Einwände Horst Seehofers auch gesehen: Nicht die gesamtdeutsche Energielage soll beachtet werden, allein die bayerische Sicht der Dinge wird vom CSU-Chef berücksichtigt – eine seit langem bekannte politische Richtung, die ihm regelmäßig Traumergebnisse im Freistaat einbringt, diesen aber auch zunehmend isoliert. Dabei steht Bayern im Bezug auf die Stromversorgung und die Energiewende an einem Punkt, an dem die Leistung anderer Bundesländer dringend benötigt wird: Die Leistungskraft der Windräder im Süden Deutschlands ist eher als gering einzuschätzen, Sonnenenergie ist noch zu unsicher und im nächsten Jahr soll das AKW Grafenrheinfeld vom Netz gehen.

Mit den Stromtrassen soll die ausgleichende Versorgung Bayerns gewährleistet werden, wenn der Strombedarf die Eigenleistung übersteigt – sollten alle vier Kernkraftwerke abgeschaltet werden, fehlen 50 Prozent des Stromaufkommens. Da Seehofer die Trassen aus dem Norden nicht möchte, könnte Atomstrom dann aus Tschechien geliefert werden, doch auch hier werden Trassen benötigt. In Norddeutschland wird derweil auf eine schnelle Lösung gehofft, da am bayerischen Einwand auch die Ausbauten der Nord- und Ostsee-Windparks hängen.

Einwände zur Energiewände: CSU-Chef will Planungsstopp und Kostenrechnung

Die Forderung nach einem Planungsstopp hat derweil Kritik in den eigenen Reihen und von anderen Parteien hervorgerufen, wobei der Tonfall durchaus heftiger ausfällt: Vor allem nachdem Horst Seehofer die Einwände von EU-Kommissar Günther Öttinger als „Geschwätz“ bezeichnete und konstatierte, „Wir Bayern brauchen keine Belehrung von irgendjemand“, sind auch die Entgegnungen anderer Politiker entsprechend schärfer geworden. Seehofer hat dabei abgestritten, die Energiewende aufhalten zu wollen, vielmehr sei Bayern, „das Musterland bei der Umsetzung“ und würde die Ziele, die andere Bundesländer sich für 2020 gesetzt hätten, schon in diesem Jahr erreichen.

Bild:Horst Seehofer von Michael Panse, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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