ARD Interview mit Edward Snowden: Whistleblower erklärt Enthüllungen

27. Januar 2014 - 10:39 - keine Kommentare

Über ein halbes Jahr hat die ARD ein exklusives Interview mit dem „Whistleblower“ Edward Snowden vorbereitet, nun hat Hubert Seipel sich sechs Stunden mit ihm unterhalten können. Bevor das Erste das vollständige Gespräch sendet, wurde eine 30-minütige Zusammenfassung nachts gesendet.

Die ARD hat als weltweit einziger Fernsehsender ein Interview mit Edward Snowden führen können, nachdem dieser aus Hongkong geflohen und in Moskau zwischengelandet ist. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter, dessen Unterlagen die NSA-Affäre um Massenspionage auslösten, gilt in seinem Heimatland größtenteils als Verräter, der den USA massiven Schaden zugefügt hat. Vor allem im Ausland allerdings wird er als Held angesehen, der  unter Gefahr für das eigene Leben durch seine Enthüllungen für die Aufdeckung skandalösester Machenschaften sorgte. Bevor das Erste eine Vorabversion des insgesamt 6 Stunden langen Gesprächs sendete, wurde schon bei Günther Jauch darüber diskutiert.

Edward Snowden Interview: Exklusives Gespräch mit der ARD

Kritische Stimmen werfen der ARD vor, die Ausstrahlung der 30-Minuten-Fassung des Snowden-Interviews ins Nachtprogramm verbannt zu haben, während die Diskussion darüber bei Günther Jauch, unter anderem mit den Befürwortern Hans-Christian Ströbele, der erneut Asyl für den „Whistleblower“ forderte, und Marina Weisband, dem Interview-Führer Hubert Seipel, dem „Bild“-Journalisten Julian Reichelt und dem US-Botschafter John Kornblum, schon vorher lief und dabei wenig Neues versprach: Noch einmal wurden die verhärteten Fronten abgesteckt.

Edward Snowden hat als Bedingung für sein einjähriges Asylrecht in Russland versprechen müssen, den USA nicht durch weitere Enthüllungen zu schaden – seine Unterlagen hatte er vorher bereits an etliche Zeitungen gegeben, die diese nun durcharbeiten und beständig ihre Ermittlungen bekanntgeben. Entsprechend bot auch das ARD-Interview kaum wirkliche Neuigkeiten, beeindruckte dafür umso mehr durch die fokussierte Darstellung und die Zusammenfassung der aktuellen Lage, auch auf persönlicher Ebene: Der NSA-Informant sagte, er sei sicher, das Richtige getan zu haben und würde trotz der Drohungen und der potentiellen Lebensgefahr ruhig schlafen.

NSA-Enthüllungen: Hubert Seipel spricht mit Whistleblower

Snowden erklärt noch einmal seine Beweggründe für die Bereitstellung der Informationen gegeben: Sein Gewissen machte es notwendig, die Öffentlichkeit über die massenhafte Bespitzelung zu informieren, über den Verstoß des NSA gegen die Rechte des eigenen Landes, Bürger als potentielle Verbrecher zu behandeln und ohne Gerichtsbeschluss auszuspionieren. Im Gespräch mit Hubert Seipel erklärt er, wie die Geheimdienste anderer Länder mit der NSA zusammenarbeiten, darunter auch der BND, und wie die USA Wirtschaftsspionage betreiben – immer im Verweis auf die Arbeit der Journalisten, der er nicht vorgreifen sollte. Denn erst, wenn „The Guardian“, die „Washington Post“ oder die „New York Times“ Informationen veröffentlichen, kann er darüber sprechen.

Die ARD hat angekündigt, das ganze Interview im Rahmen einer Dokumentation im Frühjahr auszustrahlen.

Bild: Edward Snowden von zennie62, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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