ADAC könnte Vereinsstatus verlieren: Gericht überprüft die Wirtschaftlichkeit des Automobilclubs

24. Januar 2014 - 13:52 - keine Kommentare

Nach dem Skandal um die Verleihung des „Gelben Engels“ steht der ADAC kurze Zeit später schon wieder in schlechtem Licht: Das Registergericht in München soll klären, ob bei einem Unternehmen der Größe des Automobilclubs der Vereinsstatus noch gerechtfertigt sei.

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) ist die größte Organisation dieser Art in Europa und der größte Verein in Deutschland – nun könnte es sein, dass der Status als eingetragener Verein nicht mehr lange Bestand hat. Denn am Amtsgericht München hat sich nun das Registergericht der Wirtschaftlichkeit des ADAC angenommen und will überprüfen, ob das Vereinsrecht noch gewahrt wird. Allein 2006 wurden 1,6 Milliarden Euro vom Automobilclub umgesetzt – der Wirtschaftsfaktor könnte den eines Vereins schon seit langem um ein Vielfaches übertreffen. Medienberichten zufolge hat das Gericht seine Ermittlungen nicht aus eigenem Antrieb aufgenommen.

Zu groß und zu einflussreich: ADAC könnte bald kein Verein mehr sein

Vor einem Jahr wurde schon in einem WDR-Markencheck die politische Dimension und der Einfluss des ADAC betont: Beides stünde nicht im Verhältnis zum Vertrauen der Mitglieder und Nicht-Mitglieder in den Traditionsverein, auch wenn gerade durch den Pannendienst wesentliche Aufgaben würden. Wie groß die Reichweite des Automobilclubs ist, zeigt auch die Mitgliederanzahl von 18.594.000 Personen und einer Auflage von 14 Millionen Exemplaren des hauseigenen Magazins, das mit Testberichten und Artikeln durchaus auch das Kaufverhalten der Mitglieder beeinflusst.

49.200 Einsätze sollen die Rettungshubschrauber jährlich geflogen sein – allerdings ist auch dieser Aspekt derzeit in die Kritik geraten, denn Funktionäre des Vereins und auch dessen Präsident Peter Mayer sollen die Helikopter für andere Zwecke als Rettungseinsätze verwendet haben.

Zudem bleibt die Diskussion um die Manipulation der abgegebenen Stimmen bei der Verleihung des Publikumspreises beim „Gelben Engel“ bestehen, während auch weitere Manipulationsvorwürfe laut wurden: Die Grünen-Fraktion in Trier hat den Vorwurf geäußert, der ADAC habe falsche Besucherzahlen angegeben, um für die Rallye Deutschland Gelder der Stadt zu bekommen.

Registergericht in München: Wirtschaftlichkeit des Automobilclubs wird überprüft

Die derzeitige Überprüfung des Vereinsstatus des ADAC könnte somit sogar Erfolg haben: Die „Märkische Allgemeine“ hat mit Olaf Werner von der Universität Jena als Experten für Vereinsrecht gesprochen und zitiert ihn mit der Annahme, der Automobilclub könnte alle wirtschaftlichen Tätigkeiten – darunter auch die Pannenhilfe als Dienstleistung – auslagern müssen. Den bisherigen Status bezeichnet er als einen „Anachronismus“ und verweist darauf, dass „ein kleiner Verein […] schon längst anders behandelt worden“ wäre.

Beim ADAC will man von der Überprüfung des Registergerichts von München genauso wenig wissen, wie von den Manipulationen, die vor wenigen Wochen bekannt wurden.

Bild:ADAC von Chiemgau – Bayerns Lächeln, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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