Organspender: Transplantationsskandal lässt Spenderzahl sinken

16. Januar 2014 - 10:31 - keine Kommentare

Der Skandal um die Manipulation des Vergabesystems bei Organspenden hat offenbar weitere Kreise gezogen als ursprünglich angenommen: Die Zahl der Spender, die sich für notwendige Transplantationen engagieren, ist auf den niedrigsten Wert seit 1997 gefallen, als Grund wird mangelndes Vertrauen vermutet.

Mit gerade einmal 876 Spendern hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) die geringste Anzahl derjenigen gemessen, die dafür bereitstünden, Organe für lebensrettende Transplantationen zu geben, seitdem im Jahr 1997 das Transplantationsgesetzes verabschiedet wurde. Auch im Vergleich zum Jahr 2012 ist die Zahl um 16 Prozent gesunken – die Vermutung liegt nah, dass dies mit dem Organspenden-Skandal zu tun hat, der vor rund zwei Jahren das Vertrauen in die Vergabe-Modalitäten erschütterte. Damals war herausgekommen, dass vielerorts die Daten von Patienten gefälscht wurden, um schnellere und bessere Transplantationen zu ermöglichen, wobei allerdings das Gesetz und das Vergabesystem umgangen wurde und den betroffenen Ärzten Profitgier vorgeworfen wurde.

Organspender: Niedrigste Zahl seit 1997

Rainer Hess, Vorstand des DSO, hat die Bilanz vorgestellt: Anstelle von 3.511 Organen, die in Deutschland noch im Jahr 2012 transplantiert wurden, sind 2013 nur noch 3.034 Organe neu verpflanzt worden. In den nord-östlichen Regionen der Bundesrepublik wurde ein Rückgang von 9,7 Prozent als niedrigster Wert gemessen, in Bayern gingen die Transplantationen um 23,9 Prozent zurück – 11.000 Menschen warten derzeit auf Spenderorgane, wobei mit 8.000 Patienten der Bedarf an neuen Nieren am größten ist.

Dass zu wenige Menschen einen Spenderausweis beantragen, um ihre Organe anderen, die sie zum Überleben benötigen, überlassen, ist bereits seit 2010 ein ernsthaftes Problem, denn seit diesem Jahr wird beständig ein Sinken der Spenderzahlen beobachtet. Durch den Organspendenskandal allerdings sei das Vertrauen noch weiter gesunken: Hess will nun gemeinsam mit den Krankenhäusern daran arbeiten, dass durch gute und behutsame Informationen wieder verstärkte Bereitschaft zur Organspende erreichte werden kann.

Organspendenskandal: Transplantationen rückläufig

Durch weniger Spender verzögern sich auch die lebensrettenden Maßnahmen, denn die Patienten müssen länger auf neue Organe warten – Berechnungen zufolge waren rein rechnerisch schon vor dem massiven Rückgang der Transplantationen durch zu wenige Spender jeden Tag drei Menschenleben durch zu lange Wartezeiten zu beklagen.

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) arbeitet nun daran, 2014 die Zahl von 876 Organspendern durch Aufklärung und Kampagnen zu steigern.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Hinterlasse eine Meinung zu: Organspender: Transplantationsskandal lässt Spenderzahl sinken

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!