Schulden in Frankreich: Rechnungshof erkennt Gefahrenzone

10. Januar 2014 - 13:02 - keine Kommentare

Der französische Rechnungshof hat die Schulden des Landes geschätzt und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Mit 93,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist der Schuldenberg innerhalb eines Jahres auf eine Menge angestiegen, die der Behördenleiter Didier Migaud als Gefahrenzone bezeichnet.

Am Ende des Jahres 2012 stand Frankreich mit Schulden da, die 90,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsproduktion des Landes ausmachten. Ein Jahr später sind sie laut Schätzung des von Didier Migaud geführten Rechnungshofes um über drei Prozent gestiegen und liegen Ende 2013 nun bei 93,4 Prozent – für Präsident François Hollande ist die Nachricht ein weiteres Problem, das sich zu den bisherigen in seiner Amtszeit gesellt. Auch die Börse reagierte entsprechend auf den Hinweis, der Schuldenstand befände sich in einer „Gefahrenzone“: Die Kurse fielen in Paris, da der Aktienmarkt „nervös wegen der Geschehnisse in Frankreich“ reagiere, wie die Online-Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ den Investitionsvorstand von der Bank Bordier aus der Schweiz, Michel Juvet, zitiert.

Frankreichs Schulden sind gewachsen: Rechnungshof warnt vor Gefahrenzone

Für die französische Wirtschaft ist das vergangene Jahr nicht gut gewesen: Allein im dritten Quartal erhöhte sich die Arbeitslosenquote auf 10,9 Prozent – letztmalig wurde 1997 ein höherer Wert bei 11,2 Prozent gemessen –, während das Bruttoinlandsprodukt um weitere 0,1 Prozent sank. Obwohl Frankreich die zweitgrößte Volkswirtschaft in Europa aufweist, ist die Krise in allen Bereichen angekommen, das Schuldenniveau katastrophal.

François Hollande, der durch das Ifop-Institut erst vor wenigen Wochen zum unbeliebtesten Präsidenten der Grande Nation seit Beginn der Umfrage im Jahr 1958 gekürt wurde, muss sich neben den Schulden auch mit Demonstrationen gegen seine Politik auseinander setzen, mit Protesten gegen Steuern wie die „Ecotaxe“-Maut oder die „Equitaxe“-Bestrebung (einer Anhebung des Mehrwertsteuersatzes auf Pferde von sieben auf zwanzig Prozent) und mit 75-prozentige Steuern für Einkommensmillionäre, gegen die auch die Fußballclubs von Frankreich in den Liga-Streik eintreten wollen.

Hollande in Bedrängnis: Demonstrationen gegen Reformen

Die dringend benötigten Reformen kann Hollandes Regierung nicht durchsetzen, nicht zuletzt auch, da zehntausende Demonstranten sich dagegen wehren, während die Aussichten auf Wachstum durch die hohe Arbeitslosigkeit schlecht sind und auch der Wille zur Veränderung fehlt – wie die Rating-Agentur „Standard & Poor’s“ im November des vergangenen Jahres feststellte und daraufhin das Spitzenrating für Frankreich auf die „AA“ Einschätzung abwertete.

Die aktuelle Ankündigung von Schuldenproblemen durch den Rechnungshof hat derweil für Kurseinbrüche an der Börse gesorgt und es wird damit gerechnet, dass es dadurch auch Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Probleme der Regierung unter François Hollande geben könnte.

Bild:François Hollande von jmayrault, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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