Alkoholmissbrauch, Medikamenten- und Nikotinsucht: Survey erkennt Steigerung im Suchtverhalten

10. Januar 2014 - 10:30 - keine Kommentare

Eine Studie hat sich mit dem Umgang der Deutschen mit Alkohol, Tabak, Medikamenten und illegalen Drogen beschäftigt und einen Anstieg um 36 Prozent gerade beim Alkoholmissbrauch festgestellt. Grünen-Drogenexperte Harald Terpe bemängelt das Verhalten der Regierung gegenüber der Suchtproblematik.

Zwischen 2006 und 2012 ist die Zahl der Alkoholabhängigen von 1,3 Millionen Menschen auf 1,77 Millionen gestiegen, noch einmal 1,6 Millionen Bürger trinken mehr als gewöhnlich ohne dabei als süchtig zu gelten und insgesamt weisen 7,4 Millionen Deutsche ein Trinkverhalten auf, das über den Empfehlungen zu Höchstmengen liegt. Der Drogen-Experte der Grünen, Dr. Harald Terpe, hat  die Daten aus dem Jahr 2012 des „Epidemiologischen Suchtsurvey“ vom Institut für Therapieforschung in München mit der Aufforderung an die Bundesregierung veröffentlicht, sich mehr um die Belange von Suchtkranken zu kümmern.

Suchtsurvey: Alkohol- und Medikamentensucht steigt millionenfach

Die Steigerung der Alkoholabhängigkeiten um 36 Prozent wird noch von der Medikamentensucht übertroffen: Schmerztabletten, Schlafpillen und Beruhigungsmittel werden von 2,3 Millionen Menschen über Gebühr eingenommen – 2006 waren es noch 1,5 Millionen, so dass hier eine Steigerung um 53 Prozent erkennbar wird. Aus der Studie geht zudem hervor, dass mit 5,6 Millionen Personen die Tabak- und Nikotinsüchtigen die größte Einzelgruppe stellen – die Suchthilfe sich dieser Problematik trotz der weiten Verbreitung der Suchtstoffe kaum annimmt.

30 Prozent der Bevölkerung sollen nach Harald Terpes Informationen rauchen, von diesen sieht er bei 10,8 Prozent eine Tabakabhängigkeit. Auf Alkohol und Tabak gehen die wissenschaftlichen Autoren des Instituts für Therapieforschung auch in anderer Hinsicht besonders ein: Ein Großteil der Süchtigen würde an psychischen Störungen durch die Substanzen leiden, wodurch die „Dringlichkeit der Umsetzung effizienter Präventionsmaßnahmen deutlich“ gemacht werde.

Grüne fordern Gesundheitsminister zu Verbesserungen auf

Hinter den Zahlen und Informationen steht auch ein Aufruf des Drogenexperten der Opposition an den neuen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: Terpe fordert ihn auf, sich mehr für Intervention und vor allem Suchtprävention einzusetzen als sein Amtsvorgänger Daniel Bahr. Er solle eine Drogenbeauftragte ernennen, dafür sorgen, dass Therapieanträge schneller genehmigt werden und dass es mehr ambulante Angebote gerade auch für ältere Suchtkranke gibt, die Rauchentwöhnung von den Krankenkassen als Leistung anerkannt wird und die Therapieangebote zu verbessern.

Die Grünen bemängeln zudem, dass das Bundesgesundheitsministerium die Studie zwar finanziert hat und die Daten auch seit Herbst 2013 kennt, sie aber bislang unkommentiert ließ und keine Handlung ersichtlich machte. Der „Epidemiologische Suchtsurvey“ ist im Heft 6 2013 der Zeitschrift „Sucht“ veröffentlicht worden.

Bild:Alkohol von Cosmo flash, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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