Die Pilgerin im ZDF: Bestsellerverfilmung von Iny Lorentz

5. Januar 2014 - 18:56 - keine Kommentare

Ein weiterer historisierender Roman des Autorengespanns Iny Lorentz läuft als Zweiteiler im ZDF: Josefine Preuß durchstreift als „Die Pilgerin“ das düstere und dreckige Europa des Mittelalters auf dem Jakobsweg, um neben dem Erleben von Abenteuern auch moderne Selbstfindungsfragen zu beantworten.

Für das ZDF wurde „Die Pilgerin“ von Iny Lorentz mit Josefine Preuß verfilmt: Im Jahr 1368 schwört die Kaufmannstochter Tilla das Herz ihres verstorbenen und sündigen Vaters entgegen den Befehlen ihres Bruders Volker Bruch und ihres Mannes Dietmar Bär  in geweihter Erde zu begraben, schneidet sich die Haare ab und schließt sich einer Gruppe Pilger an, die sich auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela befinden. Dabei durchstreift sie als Mann verkleidet ganz Europa und erlebt etliche Abenteuer und findet sich selbst.

Die Pilgerin: Historisch-historisierender Abenteuerfilm mit Josefine Preuß

Sogenannte „historische Abenteuer“ oder „Historienromane“ sind spätestens seit dem „Medicus“ wieder groß in Mode und besonders beliebt ist das Subgenre der Frau im Mittelalter, die mit ganz modernen Problemen konfrontiert in einer Männerwelt bestehen muss – doch gibt es zwischen Marion Zimmer Bradley und Iny Lorentz erhebliche Unterschiede, die nicht nur stilistisch geprägt sind. Denn letzteres Autorenduo, das auch „Die Wanderhure“ nebst Fortsetzungen zu Papier brachte, kennt sich weitaus besser in den Sehnsüchten und Wünschen der aktuellen Leserinnen aus als nun ausgerechnet in der gern herangezogenen mittelalterlichen Welt.

So werden einmal mehr sämtliche längst widerlegten Klischees über das angeblich so düstere Zeitalter zitiert, während die geheimen Ränke die Belegschaft aller Seifenopern betroffen machen würden, sich die Protagonistin dann aber ganz modern selbstfinden darf – das Schreiberteam hat das eigene Wanderhuren-Konzept mit dem vor einiger Zeit starken, nicht zuletzt durch Hape Kerkelings Buch angeregten Interesse am Jakobsweg gekreuzt, um die Trivialität der Geschichte hinter dem großspurigen Dekor zu verstecken.

ZDF-Zweiteiler nach dem Bestseller von Iny Lorentz

Nicht anders hält es die Filmversion, in der in erster Linie bewiesen wird, dass man sich beim ZDF das Mittelalter als eine Mischung aus dem Schmutz der „Ritter der Kokosnuss“ und der Grandesse des „Herrn der Ringe“ vorstellt und trotz des Heranziehens von Geschichtswissenschaftlern und immerhin drei Autoren für das Drehbuch recht wenig auf historische Authentizität gibt – stattdessen wird das „Mittelalter zeitgemäß erzählt“, wie es der Sender ausdrückt, während dem Regisseur Philipp Kadelbach nur einfällt, dass er „Die Pilgerin“ für einen „unterhaltsamen Abenteuerfilm“ hält.D

Die beiden Teile der Verfilmung von „Die Pilgerin“, in der auch Friedrich von Thun, Volker Bruch und Dietmar Bär spielen, werden im ZDF am 05. und am 06. Januar 2014 zu sehen sein, jeweils um 20.15 Uhr.

ZDF / Jirí Hanzl

 
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