Chemiewaffen in Syrien: UN-Inspektoren berichten fünf Gasangriffe

13. Dezember 2013 - 10:45 - keine Kommentare

Nach den Berichten über den möglichen Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg wurden von der UNO Experten ausgesendet, um die Vorwürfe zu untersuchen. Nun haben sie ihren Abschlussbericht vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass an mindestens fünf Orten Giftgasangriffe durchgeführt wurden.

Ake Sellström aus Schweden hat die Gruppe von UN-Inspektoren angeführt, die seit September 2013 in Syrien nach Hinweisen auf den Einsatz von C-Waffen gesucht hat. Den abgeschlossenen Bericht zur Untersuchung hat er nun dem UN-Generalsekretät Ban Ki Moon überreicht, der die daraus gewonnenen Erkenntnisse als „schweren Verstoß gegen das Völkerrecht“ wertete: Die Experten hatten tatsächlich Beweise finden können, die den Giftgaseinsatz an fünf Orten – Ghuta bei Damaskus, Khan al Assal in dern Nähe von Aleppo, Dschobar, Sarakeb und Aschrafieh Sahnaja – belegen konnten. An zwei weiteren Stellen, in Bahharijeh und in Scheich Maksud, wurden keine Beweise gefunden. Der Bericht der UN-Inspektoren gab keine Mutmaßungen über die Herkunft der C-Waffen an und führte auch keine Schuldfrage aus.

UN-Inspektoren finden Beweise für Giftgas in Syrien

Im September hatten die syrischen Rebellen dem Regime von Baschar al-Assad vorgeworfen, mit Giftgas 1.500 Personen verletzt und getötet zu haben. Während das Militär die Vorwürfe ablehnte und direkt an die Aufständischen zurückgab, wurde vor allem durch den US-Präsidenten Barack Obama die Schuld sofort Assad zugeschrieben, der eine „rote Linie“ überschritten hätte und es wurde über eine Intervention der Vereinigten Staaten in Syrien nachgedacht. Stattdessen wurden die Experten von der UNO in den mittleren Osten geschickt, die nun ihren Bericht vorlegte.

Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich dafür ausgesprochen, die chemischen Waffen in Syrien und weltweit aus dem Verkehr ziehen zu wollen. Auch er hat zunächst nicht die Frage nach der Schuld an den nun nachgewiesenen Giftgasangriffen in Syrien beantworten wollen – Beweise, dass Baschar al-Assads Regime oder zumindest das Militär dafür verantwortlich wäre, haben die Experten von der UNO nicht erbringen können, zumal dies auch nicht ihre Aufgabe war. Andere Staaten, vor allem die USA, hatten eigene Beweise vorgelegt, die Assad bezichtigen.

Chemiewaffeneinsatz im syrischen Bürgerkrieg: Verantwortlichkeit ist weiter ungeklärt

Das Regime selbst wies allerdings darauf hin, dass es auch Rebellengruppen gibt, die über chemische Waffen verfügen könnten – die Aufständischen in Syrien sind keine homogene Gruppe, sondern in etliche Gruppierungen aufgespalten, darunter auch solche, die Al-Qaida nahestehen. Auch der Enthüllungsjournalist Seymour M. Hersh hat herausgefunden, dass das verwendete Sarin Giftgas nicht nur vom Regime, sondern auch von Rebellen hergestellt werden kann – die Regierung Barack Obamas hätte dies auch gewusst, als sie die alleinige Schuld dem syrischen Regime zuschob.

Ban Ki Moon wird die Generalversammlung der UNO am Freitag vom Inhalt des Berichts informieren. Für den kommenden Montag ist eine Sitzung des Sicherheitsrats angesetzt, der die Ergebnisse auswerten und über angemessene Reaktionen entscheiden soll.

Bild: Zerstörung Syrien von FreedomHouse, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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