Demonstrationen in der Ukraine: Polizei räumt Unabhängigkeitsplatz in Kiew

11. Dezember 2013 - 10:20 - keine Kommentare

In der Nacht zum Mittwoch hat die ukrainische Polizei die Demonstranten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew stückweise zurückgetrieben. Die Räumungsaktion gegen die Proteste in der Ukraine soll größtenteils gewaltlos, aber bestimmt abgelaufen sein, Barrikaden wurden eingerissen und die Janukowitsch-Gegner verdrängt.

Seitdem die ukrainische Regierung im November das Freihandelsabkommen mit der EU, an dem seit Jahren gearbeitet wurde, hat platzen lassen, sind die pro-europäischen Demonstranten gegen den Präsidenten Wiktor Janukowitsch in Kiew auf der Straße: Zentrum der Proteste, die wesentlich von der Oppositionspartei „Udar“ des Box-Weltmeisters Vitali Klitschko organisiert sind, ist der „Maidan“, der Unabhängigkeitsplatz – um ein Uhr in der Nacht hat die Polizei nun die von früh bis spät demonstrierenden Protestler von dort vertrieben. Es heißt, dass die Polizisten kaum Gewalt anwendeten, sondern in Reihen von sechs bis zehn Personen und mit Helmen und Schilden ausgestattet die Demonstranten fortdrängten.

Räumung in Kiew: Polizei verdrängt Demonstranten vom Maidan

Die Gegner des Präsidenten und seiner Regierung sollen ebenfalls gewaltlos reagiert und passiven Widerstand geleistet haben: Sie standen laut Medienberichten der Polizei gegenüber und sangen die Nationalhymne, während Sympathisanten unter anderem über Twitter dazu aufgerufen wurden, sich ebenfalls zum Maidan zu begeben. Die Polizisten wurden aufgefordert, die Seite zu wechseln und von der aufgebauten Bühne riefen die Redner die Demonstranten zum Durchhalten auf.

Oleg Tjagnibok von der nationalistischen Swoboda-Partei zeichnet derweil ein anderes Bild: Seinem Bericht nach wurden mehrere Menschen in der Institutska Straße verletzt, als die Polizei durch eine Menschenkette brach. Dabei sollen auch elf Personen festgenommen worden sein.

Die Opposition reagierte mit Bestürzung auf die Räumungsaktion: Vitali Klitschko schrieb in der „Bild“-Zeitung, die Ukrainer ließen sich nicht mit „brutalen Aktionen einschüchtern“ und er rief die Einwohner Kiews dazu auf, „gemeinsam […] das Recht [zu] erkämpfen, in einem freien Land zu leben“. Der Aufruf scheint Erfolg gezeigt zu haben, denn die Zahl der Demonstranten soll erneut auf 10.000 gestiegen sein.

Proteste in der Ukraine: Unterstützung aus dem Westen

Auch aus dem Ausland werden Vorwürfe laut: Der US-Außenminister John Kerry sagte, man sei „angewidert“, wie die Behörden der Ukraine vorgehen, dies sei für eine Demokratie „nicht akzeptabel“. Carl Bildt, Außenminister von Schweden, wird als „sehr besorgt“ zitiert, während die Außenbeauftragte der EU, Catherine Ashton, ihre Trauer ausdrückte.

Währenddessen hat die Polizei von Kiew angegeben, nur einen Durchgang schaffen zu wollen, da über den Maidan eine Hauptstraße verläuft. Das ukrainische Innenministerium hingegen kündigte an, den Widerstand der oppositionellen Protestler mit Tränengas und auf anderem Wege bekämpfen zu wollen.

Bild:Ukraine von mac-ivan, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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