Gesamtverschuldung in Europa: Nachhaltigkeit in der Staatsverschuldung

30. November 2013 - 09:38 - keine Kommentare

Die EU-Mitgliedstaaten schaffen es zum überwiegenden Teil nicht, ihre Staatsschulden in der Höhe von lediglich 60 Prozent ihres Bruttoinlandproduktes zu verorten – im „Nachhaltigkeitsranking 2013“ der Stiftung Marktwirtschaft wurden die offiziellen Schulden mit den versteckten errechnet, um die Gesamtverschuldung herauszufinden.

Um einen Staat aufrecht zu erhalten und für die Bürger lebenswert zu machen, ihnen Arbeit zu ermöglichen, den Industriestandort zu erhalten, die Verkehrswege auszubauen, sich um Kinder zu kümmern und das Bildungssystem zu verbessern, um Kranke, Alte, Arbeitslose und Minderbemittelte zu versorgen nehmen die EU-Mitgliedsländer nicht nur Steuern ein, sondern auch Schulden auf. Die Stiftung Marktwirtschaft hat nun die offiziellen Staatsschulden mit jenen verglichen, die sich in Renten-Ansprüchen und in Pflege- oder Gesundheitsleistungen verstecken: Diese impliziten Schulden wurden im „Nachhaltigkeitsranking 2013“ auf die expliziten geschlagen, um somit die Gesamtverschuldung und die Nachhaltigkeitslücke pro EU-Staat zu errechnen.

Schulden in Europa: Offizielle und versteckte Staatsschulden

Dabei wurde herausgefunden, dass in den meisten Ländern der Europäischen Union die versteckten Schulden deutlich höher sind als die offen angezeigten – die Beträge, die von späteren Generationen geleistet werden müssen, führen auch zu einer großen, prozentualen Lücke zwischen den ausgewiesenen und den gesamten Schulden, die Staatsausgaben müssten entsprechend reformiert werden. In Irland etwa klafft eine gewaltige Nachhaltigkeitslücke von 1.268 Prozent zwischen 117 Prozent des BIP als explizite Staatsschuld und 1.150 Prozent aus den Sozialkassen.

Am anderen Ende des Spektrum findet sich Lettland: Hier beträgt die offizielle Schuld 41 Prozent und die verstecke nur 18 Prozent, so dass sich eine Nachhaltigkeitslücke von 59 Prozent ergibt, womit Lettland als einziger europäischer Staat innerhalb der Schuldengrenze von 60 Prozent bleibt, die im Vertrag von Maastricht festgeschrieben wurde. Deutschland steht im Gegensatz dazu mit 81 Prozent offiziellen, 73 Prozent impliziten und 154 Prozent gesamten Schulden noch immer verhältnismäßig gut dar, im Europa-Vergleich.

Nachhaltigkeitsranking: Stiftung Marktwirtschaft untersucht Gesamtverschuldung

Die von der Euro-Krise fortlaufend betroffenen Staaten schneiden auch im „Nachhaltigkeitsranking 2013“ der Stiftung Marktwirtschaft besonders schlecht ab: Irland wurde bereits erwähnt und auch Griechenland befindet sich mit einer Gesamtverschuldung von 632 Prozent des Bruttoinlandprodukts sehr weit oben auf der Liste – wird allerdings von Spanien und Zypern mit 672 und 879 Prozent noch überlagert und interessanterweise auch von Großbritannien (640) und Luxemburg (1.184 Prozent bei lediglich 22 Prozent ausgewiesenen Schulden).

Portugal bleibt mit 124 Prozent offiziellen Staatsschulden zwar ebenfalls recht hoch, blickt jedoch nur auf 159 Prozent versteckte Schulden, so dass mit einer Gesamtverschuldung von 283 Prozent das Land nur unwesentlich mehr als Deutschland, Schweden und Polen aufbringen muss. Eine Lösung für die großen Nachhaltigkeitslücken wird vor allem in Reformen der Sozialausgaben gesehen.

Bild:Euro von alf.melin, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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