OECD-Studie: Deutschlands Geringverdiener sind von Altersarmut bedroht

27. November 2013 - 11:05 - keine Kommentare

Die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) hat sich in einer neuen Studie die Rentensysteme der Industrieländer angesehen und dabei festgestellt, welche Einschränkungen auf Senioren zukommen – gerade in Deutschland müssen Geringverdiener mit niedrigen Renten im Ruhestand rechnen.

Der OECD-Rentenbericht sieht für einen Arbeitnehmer, der im Jahr 2012 seine Anstellung aufgenommen hat und ohne Unterlass bis zur Rente die entsprechenden Beiträge gezahlt hat, beim Eintritt ins Rentenalter lediglich 42 Prozent des durchschnittlichen Bruttoeinkommens – währenddessen erhalten Niederländer 90,7 Prozent als Rente, Mexikaner hingegen nur 28,5 Prozent und der Durchschnitt liegt bei 54,4 Prozent. Für Geringverdiener allerdings sieht die von der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ erstellte Statistik noch düsterer aus: In Deutschland bleibt der Einkommensersatz bei 42 Prozent, in Dänemark liegt der Satz bei 120,7 Prozent und der OECD-Durchschnitt bei 71 Prozent.

OECD: Rentenbericht sieht nur 42 Prozent des Einkommens auch bei Geringverdienern

34 Länder wurden von der Organisation für ihre Studie untersucht und gerade bei Menschen mit kleinem Einkommen bildet Deutschland das Schlusslicht: In allen anderen Staaten sorgt das Rentensystem dafür, dass die Geringverdiener nicht in die Altersarmut abstürzen müssen. Daher kann die OECD auch eine prinzipielle Verbesserung dieser Problematik melden, wenn das Durchschnittseinkommen in den Industriestaaten bei über 65-jährigen 86 Prozent des Einkommens des restlichen Teils der Bevölkerung umfasst. Und bei diesem Vergleich sehen die deutschen Rentner nicht ganz so schlecht aus: Ihr Einkommensersatz durch Rentenzahlungen beträgt 85,4 Prozent des Bevölkerungsdurchschnitts.

Die Zusammenarbeits- und Entwicklungs-Organisation blickt im Rentenbericht jedoch auch auf andere Faktoren. So werden das Eigentum, insbesondere von Immobilien, und weitere Einkünfte, etwa aus Lebensversicherungen, ebenfalls herangezogen, um den Lebensstandard von Senioren zu erfassen. Im Hinblick auf diese Aspekte ist die Situation in Deutschland noch ambivalenter: Während in den 34 Staaten 76 Prozent der Rentner über ein Haus oder eine Eigentumswohnung verfügen, ist es hierzulande gerade einmal die Hälfte, aber immerhin 17 Prozent der weiteren Einkünfte werden über Privatrenten und anderen Vorsorgemaßnahmen bestritten.

Rente in Deutschland: Koalition will Ruhestand ab 63

In der OECD-Studie wird allerdings auch auf die Vergünstigungen eingegangen, die Rentner bei öffentlichen Verkehrsmitteln und im Kulturbereich genießen. Hierunter zählt die Organisation interessanterweise auch die Mittel aus Pflegediensten – hier können 25 Prozent der Pflegeleistungen in Deutschland auf die zwanzig Prozent der Rentner verteilt werden, die am Wenigsten bekommen.

Im gerade beschlossenen Koalitionsvertrag zwischen der CDU und der SPD wurde auch auf die Rente in Deutschland eingegangen: Die Rente mit 67, die seit sechs Jahren stufenweise eingeführt wurde, soll nun aufgehoben werden und dafür soll ermöglicht werden, ab 63 in den Ruhestand zu gehen, wenn man 45 Jahre Beitragszahlungen geleistet hat.

Bild:Rentner von Blackpower 2010, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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