EZB senkt Leitzins: Wirtschaftswachstum soll stimuliert werden

9. November 2013 - 08:30 - keine Kommentare

Seit Jahrzehnten sinkt das wirtschaftliche Wachstum in Europa, Japan und den USA beständig, doch nur selten war dies mit so großen finanziellen und geldpolitischen Problemen verbunden wie heute. Die Europäische Zentralbank unter Mario Draghi versucht derzeit durch sinkende Zinsen entgegenzusteuern.

Noch in den 60ern konnten die drei Wirtschaftszonen in Europa, in den USA und in Japan große Sprünge machen: Die Euro-Zone lag mit einem Wachstum von 5,8 Prozent vor den Vereinigten Staaten mit 4,2 Prozent und beide waren weit hinter Japan mit 9,3 Prozent abgeschlagen. Schon ein Jahrzehnt später hatte sich das japanische Wirtschaftswachstum halbiert und auch die anderen Blöcke fielen ab – so hat sich die Entwicklung auf den aktuellen Tiefstand von 1,2 in Europa, 1,6 in den USA und 0,8 in Japan heruntergewirtschaftet. Schon seit jeher versuchen die Zentralbanken und die Politik dem entgegenzuwirken: Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt will mit einem gesenkten Leitzins den Einsatz der Banken, der Unternehmen und der Verbraucher ankurbeln.

EZB senkt Leitzins: Wirtschaftswachstum soll stimuliert werden

Mario Draghis Hauptquartier im Eurotower hat den Leitzins auf 0,25 Prozent gesetzt – wenn die Inflationsrate abgezogen wird, bedeutet dies de facto, dass eine Bank, die sich bei der EZB Geld leiht, keine Zinsen zu zahlen braucht und einen Großteil des Kredites quasi geschenkt bekommt. Was auf den ersten Blick verwundert, soll jedoch vielmehr einen Anreiz darstellen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Dem voran ist eine Teurungsrate von 0,7 Prozent gegangen, die deutlich unter dem Niveau für Preisstabilität liegt, die die EZB zugrunde legt.

Dahinter steckt die Idee, dass ein niedriger Zinssatz weitergegeben wird: Die Banken leihen sich preiswert Geld bei der EZB, wodurch Unternehmen billiges Geld von den Kreditinstituten bekommen können, um dies in die Produktion zu investieren und die Warenpreise zu verringern. Verbraucher, vor allem aber andere Unternehmen und Investoren, sollen dann mehr konsumieren oder mit größeren Mengen spekulieren, wodurch die Produktion aufgrund größerer Nachfrage angehoben wird.

Wachstumsraten sinken trotz geldpolitischer Maßnahmen

Zu diesen Wachstumsimpulsen gehört auch, dass die Staaten mehr Geld ausgeben – allen voran Deutschland –, damit so, trotz erhöhten Risikos, die Wirtschaft im In- und Ausland stimuliert wird und die Investition in die Euro-Zone, aber auch die anderen Wirtschaftsblöcke, stimuliert wird. Allerdings scheint dieser Plan nur bedingt aufzugehen: Kurzfristige Erhöhungen des wirtschaftlichen Wachstums täuschen nicht darüber hinweg, dass die Banken sich scheuen in unsichere Staaten zu investieren, und dass trotz des großen Variantenreichtums der Geldpolitik der Zentralbanken das Wachstum schon seit 50 Jahren stetig sinkt und die Märkte größtenteils gesättigt sind.

Mario Draghi glaubt, dass der aktuelle Leitzins über einen längeren Zeitraum gehalten werden würde – erst im Mai war er auf 0,5 Prozent gesenkt worden. Er könne aber auch noch weiter fallen, um die Staatsschuldenkrise zu bewältigen. Der EZB-Chef sieht allerdings keine Deflation in näherer Zukunft, dafür eine „Phase niedriger Inflation“.

Bild:EZB von Paul!!, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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