Jassir Arafat: Schweizer Forscher finden Belege für Vergiftung

7. November 2013 - 09:04 - keine Kommentare

Um den Tod des 2004 verstorbenen Palästinenserführer Jassir Arafat kreisen noch heute Gerüchte und Spekulationen, die nun durch eine Untersuchung von Wissenschaftlern an der Universität Lausanne Unterstützung finden. Sie haben in den sterblichen Überresten Spuren des radioaktiven Polonium-210 gefunden.

Jassir Arafat hat in seinen 75 Jahren eine erstaunliche Entwicklung vom Guerillakämpfer und Terroristen im Kampf für Palästina zum Staatsmann und Friedensnobelpreisträger durchlebt, er gewann außenpolitisches Vertrauen und verlor es auch wieder. Seine letzten Jahre verbrachte er im Hausarrest in Ramallah, 2004 wurde er wegen einer akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes nach Paris geflogen, wo er wenige Tage später verstarb – sofort wurden Mutmaßungen geäußert, er sei ermordet worden. Acht Jahre nach seinem Ableben hat seine Witwe einer im Islam verbotenen Exhumierung zugestimmt, damit wissenschaftliche Untersuchungen Gewissheit bringen und tatsächlich hat ein Forensik-Team aus der Schweiz nun Hinweise gefunden, die für eine Vergiftung mit Polonium-210 sprechen könnten.

Palästinenserführer Arafat könnte vergiftet worden sein

Die Forscher haben nicht viel vorgefunden, mit dem sich arbeiten ließe: Nach acht Jahren im Grab ist nur unwesentlich mehr von Jassir Arafat übrig geblieben als sein Skelett. Hier hat man Gewebeproben vom Brustkorb und vom Unterleib nehmen und auch das Leichentuch untersuchen können, während im und um das Grab Messungen zur Radioaktivität vorgenommen wurden. Letztere Messergebnisse zeigten erhöhte Werte für die Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung nach der Öffnung des Grabes, während im Gewebe ein 18fach höherer Polonium-210-Wert ermittelt wurde.

Auf den radioaktiven Stoff als mögliche Giftquelle war man schon zuvor gestoßen: Arafats Witwe hatte persönliche Gegenstände ihres Gatten, die er kurz vor seinem Tod verwendete, übergeben, an denen ebenfalls Polonium festgestellt wurde. Allerdings ist die Halbwertzeit des Stoffes mit 138,38 Tagen sehr gering, so dass eine heute noch nachzuweisende Menge vor acht Jahren millionenfach höher gewesen sein müsste. Auch wurde Blei-210 in den Gewebeproben entdeckt, was einerseits den Nachweis von Polonium-210 erschwert, andererseits auch ein Hinweis für dessen Vorhandensein ist, denn Blei-210 wird auch zur Verschleierung der radioaktiv-giftigen Substanz verwendet.

Hoher Polonium-Wert an der Universität Lausanne festgestellt

Die Schweizer Forscher an der Universität Lausanne stellen eines von drei wissenschaftlichen Teams, die die Gewebeproben des Leichnams von Jassir Arafat untersuchen. Die Ergebnisse ihrer Kollegen aus Frankreich und Russland bleiben noch abzuwarten, Vladimir Uiba, der Vorsitzende der russischen Bundesbehörde für Medizin und Biologie (FMBA), hatte jedoch bereits erklärt, dass kein Polonium gefunden werden konnte, während die behördliche Pressestelle diese Aussage dementierte.

Bild:Jassir Arafat von Axel Schwenke, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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