EU-Austritt: Unternehmen in Großbritannien sind für Verbleib

4. November 2013 - 09:52 - keine Kommentare

Die Europäische Union wird seit jeher in Großbritannien skeptisch gesehen, oftmals lautstark auch über einen Austritt debattiert – eine Wirtschaftsstudie im Zuge der Referendums-Ankündigung von Premierminister David Cameron hat nun die Präferenz der britischen Unternehmen zum Verbleib in der EU bestätigt.

Seit den 1980er Jahren, in denen Margaret Thatchers Anti-Europa-Haltung ihre Premierministerschaft definierte, ist die Vorstellung Großbritannien als Teil einer europäischen Einheit zu sehen, ausnehmend unpopulär auf der Insel. Der aktuelle Premier David Cameron, dessen Tories, ebenso wie die Labour-Partei und die Liberal Democrats, im Allgemeinen proeuropäisch eingestellt sind, hat angekündigt, 2017 in einem Referendum über einen möglichen EU-Austritt des Vereinten Königreichs abstimmen zu lassen, würde jedoch lieber den Verbleib darin sehen mit einigen Änderungen im Bezug auf die Kompetenzen Brüssels und Londons. Rückhalt gibt ihm nun eine Studie, in der sich der größere Teil der britischen Wirtschaft positiv über die Mitgliedschaft in der EU äußert.

Umfrage zum EU-Austritt: Acht von zehn britischen Unternehmen sind für den Verbleib

Der Industrieverband CBI hat eine YouGov-Umfrage in Auftrag gegeben, die herausfinden sollte, wie kleine, mittlere und größere Unternehmen in Großbritannien zum EU-Austritt stehen. Das Ergebnis sieht mit 77 Prozent selbst bei jenen Betrieben eine große Zustimmung, die sich in ihrer täglichen Arbeit durch Brüssel bevormundet sehen – im von John Cridland, dem Direktor von CBI, formulierten Fazit würden die Firmen größere Chancen durch EU-Reformen sehen als in der Option keinen Einfluss in der Union zu haben.

Auf 180 Seiten fasst die Studie den wirtschaftlichen Vorteil ganz profan im finanziellen Gewinn zusammen: Bei 7,3 Milliarden Pfund, die an die EU gezahlt werden mussten, ergab sich ein Gegenwert von bis zu 78 Milliarden Pfund, durch den die Wirtschaftsleistung des Inselstaates durch die EU-Zugehörigkeit getragen würde. Pro Haushalt in GB würden somit 3.000 Pfund zusammenkommen, in Prozentzahlen seien dies vier bis fünf – allerdings können diese Zahlen nicht als gesichert gelten, da sie in der Studie lediglich auf den Ergebnissen anderer Berechnungen basieren und die Variablen-Vielfalt die Errechnung des tatsächlichen Nutzens erschweren würde.

Referendum in Großbritannien: 2017 wird über die EU-Mitgliedschaft abgestimmt

415 Unternehmen wurden für den CBI befragt und von jenen haben sich 71 Prozent dafür ausgesprochen, dass ihre eigenen Geschäfte von der Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU profitieren würden. Immerhin 63 Prozent hoben die Grundfreiheit des Gemeinsamen Marktes der Arbeitnehmerfreizügigkeit als besonders positives Merkmal hervor.

Derzeit ist eine leicht größere Mehrheit der Briten für den EU-Austritt, während sowohl Befürworter als auch Gegner der Union ihre Argumente sammeln und Kampagnen im Hinblick auf das Referendum 2017 vorbereiten. Katya Hall, Forschungsdirektorin bei CBI, betonte in diesem Zusammenhang, dass es sehr wohl möglich sei, aus der Union auszutreten, der Wohlstand für die britischen Inseln jedoch vom Verbleib in der EU abhinge.

Bild: Europaparlament von loop_oh, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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