Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung: Anklage gegen Baumafia in Köln

30. Oktober 2013 - 09:53 - keine Kommentare

Im Januar wurden in einer großen Polizeiaktion Verdächtige festgenommen, die im Baugeschäft von Nordrhein-Westfalen durch organisierte Steuerhinterziehung und den koordinierten Einsatz von Schwarzarbeit gewaltige Summen illegal erwirtschaftet haben sollen. Nun hat die Staatsanwaltschaft von Köln Anklage gegen vier Sizilianer erhoben.

Als sogenannte „Baumafia“ sollen der 40-jährige Gabriele S., der 38 Jahre alte Biagio S., Rosario P. (55) und der 54-jährige Agatino F. seit Jahren über Strohmänner und Scheinfirmen von einem italienischen Restaurant in Köln-Kalk das Baugewerbe unterwandert haben. Mit 400 Polizisten und Steuerfahndern waren im Januar des Jahres Razzien in 15 Städten in Nordrhein-Westfalen und auf Sizilien durchgeführt worden, die zu elf Verhaftungen führten. Die 17 Bauunternehmen, die von den vier nun durch die Kölner Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung angeklagten Männern gegründet wurden, sollen Millionenbeträge am Staat vorbei gebracht und dabei auch der Baubranche enorm geschadet haben.

Baumafia: Anklage gegen vier Sizilianer in Köln

Laut Medienberichten haben die Recherchen gegen die „Baumafia“ ergeben, dass sich die vier Angeklagten vor allem über Schwarzarbeit und deren Vermittlung bereichert haben sollen: Durch ihre auf den ersten Blick legal anmutenden Firmen konnten sie die nicht angemeldeten Arbeitskräfte ohne Aufmerksamkeit zu erregen illegal und ohne Steuern oder Sozialabgaben bezahlen. Bei einer anderen Methode sollen sie Rechnungen ausgestellt haben für die es keine Gegenleistungen gab: Acht Prozent hätten sie von dem Geld behalten, den Rest als Bargeld zurückgegeben, so dass die Scheinrechnungen angeblich bezahlt wurden und beide Seiten sich daran bereichern konnten.

Pro Jahr soll auf diese Weise durch die vier mutmaßlichen Steuerhinterzieher und andere Banden dieser Art 1,5 Milliarden an Steuergeldern und 2 Milliarden an Sozialabgaben am Staat vorbei gehen. Diese „Abdeckrechnungen“ genannten Methoden sollen auch dazu geführt haben, dass seriöse Bauunternehmen, die nicht mit den ohnehin geringeren Preisen mithalten konnten, zusätzlich geschädigt wurden.

Untersuchungen wegen Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit dauern an

Die Untersuchungen gegen Gabriele S., Biagio S., Rosario P. und Agatino F. halten an: Der Anwalt des mutmaßlichen Kopfes der Bande bemängelte die schon neun Monate anhaltende Verfahrensdauer und Untersuchungshaft. Seiner Meinung nach habe sich „die Kölner Justiz […] mit der Sache völlig verhoben“. Die Rechtsbeistände der anderen Angeklagten wollten die Beteiligungen ihrer Mandanten in den Einzelfällen prüfen lassen, die Vorwürfe jedoch nicht prinzipiell abstreiten. Bislang konnte den vier „Baumafiosi“ keine Verbindung zur sizilianischen Cosa Nostra nachgewiesen werden, heißt es in Medienberichten.

Bild:Mindestlohn von In_Zukunft_Wien, CC BY – bearbeitet von borlife.

 

 
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