Nationalfeiertag in der Türkei: Feierlichkeiten und Proteste zum Jubiläum

30. Oktober 2013 - 08:56 - keine Kommentare

Am 29. Oktober 1923 rief Mustafa Kemal Pascha Atatürk die moderne türkische Republik aus. Zum 90sten Jubiläum wurde der Nationalfeiertag der Türkei mit Paraden, Kulturprogrammen, Kranzniederlegungen und einer Schweigeminute begangen – aber auch mit Protesten gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Am Tag der Republik, an dem die Gründung der Türkei vor 90 Jahren gefeiert wurde, konnte sich die zwischen Anhängern und Gegnern des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan gespaltene türkische Gesellschaft zumindest auf eines einigen: Am 29. Oktober 2013 wurde überall auf der europäischen und der asiatischen Seite, sowie in Nordzypern, des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk gedacht. Der selbst nicht unumstrittene türkische Nationalheld hatte vor 90 Jahren nicht nur die Teile des nach dem ersten Weltkrieg endgültig zerbrochenen Osmanischen Reiches zusammengehalten, sondern auch wesentliche Modernisierungen angestrebt – viele der Gegner Erdogans sehnen sich nach der atatürkischen Politik zurück und einige von ihnen gingen dafür erneut auf die Straße.

Tag der Republik in der Türkei: 1923 hat Atatürk den modernen Staat gegründet

Am „Cumhuriyet Bayrami“, dem Nationalfeiertag in der Türkei, dominierten am 90sten Jahrestag die offiziellen Feierlichkeiten, zu denen eine Kranzniederlegung durch den Staatspräsidenten Abdullah Gül am Mausoleum Atatürks in Ankara gehörte, eine Militärparade, etliche Konzerte und kulturelle Angebote, sowie eine Schweigeminute. An diesem hohen türkischen Festtag wurde auch der seit Jahrzehnten geplante Tunnel unter dem Bosporus eingeweiht.

Atatürk hatte als Armeeführer sowohl das Militär als auch große Teile des Volkes hinter sich, als er 1923 das schon seit langer Zeit dahinsiechende Osmanische Reich in die moderne Türkei umwandelte. Einige seiner wesentlichsten Errungenschaften wurden im Schulwesen, in der Aufhebung der Geschlechtertrenung und der Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft erreicht und auch die Abschaffung der arabischen Schrift zugunsten der lateinischen wird ihm ebenso zugerechnet, wie die Trennung von Staat und Kirche.

Der Staatsgründer stand der Religion ausnehmend skeptisch gegenüber und orientierte sich im Gesellschafts- und Rechtswesen stark an den westlichen Ländern – damit stand er aber auch gegen große Bevölkerungsgruppen, die im Zuge der massiven und schnellen Veränderungen in der Türkei das Nachsehen hatten. Die Unterdrückung der Kurden etwa hält bis heute an.

Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag und vereinzelte Proteste

Damit ist Mustafa Kemal Pascha Atatürk ebenfalls eine ambivalente Figur in der türkischen Geschichte, die von einem Teil der Gesellschaft verehrt und von einem anderen ebenso skeptisch gesehen wird, wie die Veränderungen, die er gebracht hat. So ähnlich verhält es sich auch mit dem aktuellen Ministerpräsidenten Erdogan, der sowohl Anhänger wie Gegner aufweist.

Der „Cumhuriyet Bayrami“ sah dementsprechend auch erneute Proteste gegen den Politiker: Oppositionsparteien hatten unter dem Motto „Die Türkei beugt sich der AK-Partei nicht“ zu Demonstationszügen zum Taksim-Platz aufgerufen, der Schauplatz der lange anhaltenden Proteste gegen Erdogan in der ersten Jahreshälfte war. Die Nationalfeiertags-Demos blieben größtenteils friedlich, die Polizei hatte Tränengas und Wasserwerfer bereit gehalten.

Bild:Türkei von quinn.anya, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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