HSH Nordbank: Immobilen-Tochter für symbolischen Wert verkauft

14. Oktober 2013 - 09:25 - keine Kommentare

Die finanziell angeschlagene und rechtlich derzeit im Fokus von Ermittlungen und Gerichten stehende HSH Nordbank hat Medienberichten zufolge die Immobilien-Tochtergesellschaft HGA Real Estate für einen Euro verkauft, obwohl sie mehrere Milliarden Euro wert ist. Die Hamburger Bürgerschaft fasst dies kritisch auf.

Die HSH Nordbank soll laut Medienberichten ihre Immobilientochter für lediglich einen Euro verkauft haben: Bei Wertständen von mehreren Millionen im dreistelligen Bereich und Fonds im Wert einiger Milliarden erscheint ein als symbolisch bezeichneter Kaufpreis mehr als seltsam. Die Hamburgische Bürgerschaft, das Parlament der Hansestadt, wertet den Verkauf als „Management Buy-Out“, bei dem Lutz von Stryk, der über Jahre die HSH Real Estate leitete, selbst die heutige HGA Real Estate gekauft habe. Thomas-Sönke Kluth (FDP) äußerte sich skeptisch über die Transaktion, da er eine „klare Kommunikation“ der Landesbank vermisst und sich „als Parlamentarier ungenügend informiert“ fühlt. Die HSH Nordbank steht derzeit vor allem durch die ominösen Transaktionen unter dem Namen „Omega 55“ im Visier der Staatsanwaltschaft.

Immobilienverkauf bei der HSH Nordbank: Symbolbetrag für die HGA Real Estate

„Omega 55“ klingt wie eine Zahnpasta-Formel oder ein Vitamin-Zusatz, ist jedoch eine ausnehmend komplexe Finanztransaktion, bei der die HSH Nordbank 2007 Schulden und Risiken über Umwege aus der Bilanz fernzuhalten. Wegen der Genehmigung dieser Geschäfte stehen derzeit sechs Vorstandsmitglieder vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer 8 des Hamburger Landgerichts: Sie sollen sich für Fehlmanagement, Veruntreuung und Bilanzfälschung verantworten – ein Schaden von 158 Millionen Euro soll dabei entstanden sein.

Während sich der Prozess noch bis in das nächste Jahr ziehen wird, werfen nun die Recherchen von „NDR Info“ ein weiteres, nicht eben positives Licht auf das Geschäftsgebaren der Bank: Im August 2013 erst soll die HGA Real Estate für den Symbolbetrag von einem Euro verkauft worden sein, der in keinem Verhältnis zu den Immobilienständen im Wert von 320 Millionen Euro und den Immobilienfonds von 2 Milliarden Euro steht.

Neue Kritik an der Landesbank nach anhaltendem Finanzprozess

85 Prozent der HSH Nordbank werden von den Ländern Schleswig-Holstein und Hamburg gehalten, einer EU-Anforderung zufolge soll der Geschäftsbereich schrumpfen, um Beihilfevereinbarungen zu genügen. Aus diesem Grunde wurden schon seit einiger Zeit immer wieder Teile des Immobiliengeschäfts der Landesbank abgestoßen, doch die aktuell berichtete Finanzaktion wird gerade vor dem Hintergrund des Untreue-Verfahrens mehr als kritisch aufgenommen – zumal von der Bank selbst keine näheren Informationen weitergeleitet werden.

Laut der Online-Ausgabe des „Spiegels“ soll ein Nordbank-Sprecher die Beantwortung von Fragen durch die dpa abgelehnt haben, der HSH-Vorstand und der Eigner der HGA Real Estate sollen sich nicht äußern wollen und die schriftliche Anfrage der Linken in der Hamburger Bürgerschaft soll kaum beantwortet worden sein, da auf Betriebsgeheimnisse verwiesen wurde.

Bild:HSH Nordbank von arne.list, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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