Die Grünen: Jürgen Trittin – Rücktritt vom Fraktionsvorsitz

25. September 2013 - 09:42 - keine Kommentare

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende und männliche Teil des Spitzenduos zur Bundestagswahl Jürgen Trittin hat seinen Rücktritt verkündet: Unter dem Druck des schlechten Wahlergebnisses und der schädigenden Debatten zuvor, will er nicht mehr für den Vorsitz kandidieren. Mit ihm gehen auch weitere Parteispitzen.

Nach mehr als dreißig Jahren des politischen Engagements hat Jürgen Trittin die Konsequenzen aus dem miserablen Abschneiden der Grünen bei der Bundestagswahl 2013 getragen: Als einer der beiden Spitzenkandidaten für seine Partei hat er nicht nur maßgeblich den Wahlkampf bestimmt, sondern auch die Politik seiner Fraktion als Vorsitzender seit 2009 in deutliche Richtungen gelenkt. Nun hat er in der ersten großen Sitzung der Bundestagsabgeordneten der Grünen angegeben, den Vorsitz nicht weiter führen zu wollen, und sich dabei für einen kompletten Wechsel der Führungsriege ausgesprochen, um seine Partei für die Bundestagswahl 2017 neu aufzustellen.

Jürgen Trittin tritt zurück

Seit 1980 ist Jürgen Trittin bei den Grünen, hatte Positionen als Landtagsabgeordneter in Niedersachsen, später als Minister des Bundeslandes und als Bundessprecher inne und hielt das Amt des Umweltministers zwischen 1998 und 2005. Während dieser Zeit, spätestens aber seit dem Ausscheiden von Joschka Fischer, galt er als einer der prominentesten und sichtbarsten Politiker seiner Partei, im Falle einer Koalitionsmehrheit mit der SPD bei der Bundestagswahl 2013 wäre er höchstwahrscheinlich Vizekanzler geworden.

Der Rückzug vom Fraktionsvorsitz kommt für viele Beobachter daher auch überraschend: Trittin hat den Großteil der Grünen Geschichte mitgetragen und mit ihm verliert die Partei eines der wesentlichen Mitglieder in hoher Position. Nachvollziehbar ist die Entscheidung dennoch, denn der Druck auf ihn wuchs in den vergangenen Wochen stark an und wurde nach der Wahlschlappe umso höher: Sie wird auf die anhaltenden Diskussionen um „Bevormundung“ beim Thema des „Veggie-Days“ und auf die neuerlich aufgekeimte Duldung von Pädophilen-Gruppen in der Frühphase der Partei in den 80ern zurückgeführt, aber auch nicht zuletzt auf die Steuererhöhungspläne, die von Trittin getragen wurden.

Claudia Roth und Renate Künast geben ebenfalls ihre Ämter ab

Jürgen Trittin ist dabei nicht das einzige hochrangige Mitglied, dass die Konsequenzen aus der verlorenen Wahl zieht: Claudia Roth hat angekündigt, nicht erneut als Parteichefin zur Verfügung zu stehen und auch Renate Künast will sich nicht mehr als Fraktionsvorsitzende einbringen. Auf diese Weise geht eine ganze Generation der bekanntesten Politiker der Grünen, einzig Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt bleiben noch erhalten.

Während diese Ankündigungen für manche das Ende einer Ära bedeuten, kann darin jedoch auch ein Neuanfang für die Grünen gesehen werden, die zuletzt sich auf Themen konzentriert haben, die von vielen Wählern bei anderen Parteien gesehen werden, und ihr Kernthema – die Umweltpolitik – kaum noch hier wahrgenommen wurde.

Bild:Jürgen Trittin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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