Papst Franziskus: Offenes Interview zu katholischen Tabu-Themen

20. September 2013 - 09:28 - keine Kommentare

Der neue Papst Franziskus gilt als gemäßigter als seine Vorgänger, seit seinem Amtsantritt steht er für ein einfaches, prunkloses Pontifikat – und für das Aufbrechen von Jahrhunderten alten Verkrustungen. In einem Interview hat er nun geradezu reformatorische Worte gefunden.

Jorge Mario Bergoglio galt als ultrakonservativer Erzbischof, ein Hardliner-Kardinal, doch seitdem er im März 2013 zum neuen Papst gewählt wurde, hat er eine Bescheidenheit bewiesen und eine Weltsicht, die ihn auch jenseits der katholischen Gläubigen in Windeseile zum Hoffnungsträger gemacht haben: Mit seinem Verzicht auf Pomp und Prunk, im Suchen der Nähe zu den Menschen in seiner Kirche und darüber hinaus und dadurch, dass er keine Scheu zeigt, sich unangenehmen Themen zu stellen, leitet er als Papst Franziskus einen Stimmungswechsel innerhalb der römisch-katholischen Kirche und auch bei ihren Kritikern ein. In seinem ersten großen Interview hat er sich nun auf erstaunliche Weise zu modernen Bereichen geäußert.

Papst Franziskus bezieht erstaunliche Stellung zu Homosexualität und der Rolle der Frauen

Homosexuelle und Glauben, die Bedeutung von Frauen in der Religion und die Situation der Kirche an sich hat Papst Franziskus in seinem Interview mit einem Jesuiten-Magazin thematisiert und das alleine stellt eine Sensation dar: Seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hatten sich entweder hierzu vollständig zurückgehalten oder aber Verdammnis gepredigt – der erste Jesuit im Amt stellt sich diesen aktuellen Fragen der Katholiken.

Für Außenstehende sind Franziskus’ Aussagen kaum revolutionär, für die Kirche kommen sie einer Reformation im wahrsten Sinne des Wortes gleich: Im Interview spricht er darüber, dass er Homosexualität nicht verurteilt und die Liebe Gottes dies auch nicht täte, die Rolle der Frauen in der Kirche muss seiner Ansicht nach überdacht werden und zwischen den Zeilen kann man lesen, dass er auch weibliche Einsichten in kirchlichen Entscheidungen begrüßt. Für seine Kirche selbst erhofft er sich ein „neues Gleichgewicht“, in dem niemand ausgeschlossen wird – er spricht sich gegen Elitarismus und Abgrenzung aus.

Interview mit dem Papst: Öffnung der Kirche auch zu Tabu-Themen

Verändert hat Papst Franziskus mit diesem Interview noch nichts – und tatsächlich haben sich bereits konservative Stimmen gemeldet, die kaum verhohlen den Pontifex für diesen Ansichtenwandel von ganz oben kritisieren. Doch sowohl jene Katholiken, die mit ihrem Glauben hadern, als auch die Kritiker der alten Linie der Kirche, sehen in einem der offensten Interviews, die je ein Papst gegeben hat, einen Hoffnungsschimmer dafür, dass sich die katholische Kirche den Rahmenbedingungen einer neuen Zeit öffnet und im angemessenen Maße den moralischen Kompass darstellt.

Bild:Papst Franziskus von Minoritenplatz8, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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