NSA Enthüllungen: Geheimdienste knacken Internet-Protokolle

7. September 2013 - 07:09 - 1 Kommentar

Neue Enthüllungen in der NSA-Spionageaffäre belegen, dass der US-Geheimdienst Internet-Verschlüsselungen im großen Stil geknackt haben soll. Laut Edward Snowden sollen die Online-Protokolle HTTPS, Voice-over-IP und SSL durchdrungen worden sein, wodurch jede als sicher deklarierte Datenübermittlung nun für die NSA offenliegt.

Vor einigen Wochen erst hatten Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald und seine Zeitung „The Guardian“ angekündigt, es würde neues Material des sogenannten „Whistleblowers“ Edward Snowden veröffentlicht werden. Trotz der Androhung rechtlicher Schritte der britischen Regierung und der erzwungenen Vernichtung von Festplatten, hat die Zeitung nun gemeinsam mit der „New York Times“ und dem Online-Portal „ProPublica“ die neuen Informationen bereit gestellt: Aus ihnen geht hervor, dass es dem amerikanischen Geheimdienst NSA und dem britischen GCHQ gelungen sei, sich in hoch gesicherte und komplexe Internet-Protokolle zu hacken – HTTPS, Voice-over-IP und SSL könnten somit keine Sicherheit mehr bieten, wenn es etwa um die Abfrage von Passwörtern und anderen vertraulichen Daten geht.

SSL, HTTPS, VoIP: US-Geheimdienst durchbricht Internet-Protokolle

Viele Millionen Internet-Nutzer versuchen, ihre Privatsphäre durch den Einsatz von Verschlüsselungen und Protokollen zu schützen – dabei handelt es sich nicht um gefährliche, illegale oder anderweitig schwierige Informationen, sondern lediglich um den Datenschutz im Internet, der seit Jahren unterschiedlich diskutiert wird. Die NSA hat, gemäß den Informationen der Zeitungen und der Dokumente von Edward Snowden, 250 Millionen US-Dollar – deutlich höher als das „Prism“-Budget – in ein zehn Jahre andauerndes Projekt gesteckt, um genau diese Sicherheitsvorkehrungen, die vor Diebstahl, Hacker-Angriffen und anderen Bedrohungen schützen sollen, zu knacken.

E-Mails, Online-Banking, Datenübertragungen, VoIP Gespräche, Patientenakten – all dies liegt für die Geheimdienste der USA und Großbritanniens offen: Der „Guardian“ berichtet, dass mit Supercomputern daran gearbeitet wurde, die Verschlüsselungen zu durchbrechen, jedoch auch mit „Gewalt“ und sogar durch die geheime Zusammenarbeit mit den Technikunternehmen, die eigentlich die Sicherheit dieser Protokolle garantieren sollen.

Neue Enthüllungen von Edward Snowden: NSA kann Sicherheitsverschlüsselungen umgehen

Der Durchbruch der Geheimdienste NSA und GCHQ soll bereits im Jahr 2010 stattgefunden haben: „Große Mengen“ an Daten sollen dadurch „ausbeutbar“ geworden sein, heißt es im „Guardian“. Ziel der NSA sei es gewesen, „uneingeschränkten Zugang“ zum Cyberspace den USA zu ermöglichen, der GCHQ habe derweil die Verschlüsselungen von Hotmail, Google, Yahoo und Facebook durchbrochen. Die Zusammenarbeit mit den IT-Firmen habe darin bestanden, dem Geheimdienst Schlupflöcher in den Protokollen zu lassen, die nur der NSA bekannt waren.

Während offiziell von den Geheimdiensten weiterhin die Notwendigkeit der Datensammlung in unvorstellbar großen Stil im Kampf gegen Terror und andere Bedrohungen betont wird, offenbaren die von Snowden gelieferten Dokumente eine andere Sicht: Der GCHQ und auch die NSA fordern darin äußerste Geheimhaltung, da bei einem Bekanntwerden „unliebsame öffentliche Wahrnehmung“ folgen würde – die Internet-User werden in den Dokumenten entsprechend auch als „Gegner“ bezeichnet.

Bild: Edward Snowden von zennie62, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
VN:F [1.9.18_1163]
0.0 / 5.0 - 0 Bewertungen
 
 

Kommentare zu NSA Enthüllungen: Geheimdienste knacken Internet-Protokolle

Zu diesem Beitrag gibt es 1 Kommentar.

von Uso am 7. September 2013 - 09:10 Uhr

Ändern wir die Internetstrukturen
http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-09/bruce-schneier-guardian

Politik muß sich dem Thema annehmen
Großdemonstration für Bürgerrechte ›Freiheit statt Angst‹ am 7. September in Berlin

Hinterlasse eine Meinung zu: NSA Enthüllungen: Geheimdienste knacken Internet-Protokolle

* Pflichtfeld - E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht!