Syrien: UN-Ermittler wollen möglichen Giftgaseinsatz untersuchen

22. August 2013 - 10:02 - keine Kommentare

Bei Damaskus sollen im Bürgerkrieg in Syrien 1.300 Menschen durch die Armee unter Baschar al-Assad durch den Einsatz von Giftgas getötet worden sein: Das syrische Militär weist die Vorwürfe der Opposition von sich, während die Vereinten Nationen Sonderermittler geschickt haben.

Die Armee von Syrien soll mit Giftgas einen groß angelegten Angriff auf die Rebellen bei Damaskus durchgeführt haben: Bilder von unzähligen Leichen aus einem Krankenhaus sollen den Einsatz von Chemiewaffen belegen. Sollte die Behauptung der syrischen Opposition gegen das Regime von Baschar al-Assad der Richtigkeit entsprechen, wäre dies ein ungeheuerlicher Verstoß, der  international geächtet würde – doch genau hierin besteht das Problem. Denn der Militärschlag ist nicht dokumentiert, es gibt keine Bilder des Angriffs und keine nachvollziehbaren Befehle. Die Vereinten Nationen wollen nun in dem Fall ermitteln.

Bürgerkrieg in Syrien: Opposition wirft Assad-Regime Giftgas-Einsatz vor

Das Militär will von chemischen Waffen nichts wissen und bestreitet den Angriff vollständig. Der Informationsminister Omran al-Soabi wies darauf hin, dass die UN-Ermittler nur mit Genehmigung der Regierung die Region untersuchen dürften, dies jedoch nicht spontan ginge. Zudem verwies er auf Chemiewaffen-Angriffe von „radikalen Islamisten-Brigaden“ bei Aleppo. Dennoch seien die Experten der Vereinten Nationen bereits in Syrien eingetroffen, die Verhandlungen über Inspektionen und deren Ausmaß laufen laut UN-Generalsekretär Ban Ki Moon direkt mit Assad.

Bei den Vereinten Nationen herrscht derweil Uneinigkeit über die Giftgas-Berichte: Neben Syrien-Unterstützern Russland und China, die die Vorwürfe als gezielte „Provokation“ der „voreingenommenen“ Medien bezeichnen, sind auch 13 weitere Mitgliedsstaaten nicht ganz von der Echtheit der Fotos und Video-Aufnahmen überzeugt. Krankenhaus-Helfer tragen darin keine Schutzkleidung und Gesichtsmasken, so dass sie den Symptomen der Chemiewaffen selbst ausgesetzt wären, wie Paula Vanninen vom Finnischen Institut für die Überprüfung der Chemiewaffenkonvention sagte, während die einzigen Informationen über den Angriff ausschließlich aus oppositionellen Quellen und von Aktivisten stammen.

Zweifel am Angriff mit Chemiewaffen: UN-Experten wollen Vorfall bei Damaskus untersuchen

Auf der anderen Seite wird vom Außenminister Großbritanniens, William Hague, die Herrschaft Assads als „mörderisch und barbarisch“ bezeichnet und das mutmaßliche Massaker sei ein Beweis hierfür. Der stellvertretende Generalsekretär Jan Eliasson sprach von einer „großen Eskalation“, UN-Botschafterin aus Argentinien María Cristina Percevall forderte eine sofortige Aufklärung, der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, den „sofortigen und uneingeschränkten Zugang“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Tötung von über 1.300 Menschen durch Giftgas, sollten sich die Vorwürfe als echt erweisen, ein „entsetzliches Verbrechen“ und sprach sich erneut gegen Waffenlieferungen an die zersplitterte Opposition in Syrien aus.

Bild: Baschar al-Assad von watchsmart, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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