Jonny K. Prozess: Oberstaatsanwalt fordert fünfeinhalb Jahre Haft für Onur U.

13. August 2013 - 11:06 - keine Kommentare

Am Donnerstag wird das Urteil im Prozess um den Tod von Jonny K. am 14. Oktober 2012 am Alexanderplatz erwartet. Der Oberstaatsanwalt Michael von Hagen forderte in seinem einstündigen Plädoyer eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren für den Hauptangeklagten Onur U.

Die Anklage und die Verteidigung im Fall Jonny K. haben ihre Plädoyers vor dem Kriminalgericht von Moabit in Berlin abgegeben: Auch wenn die Tat vom 14.10.2012 nicht vollständig geklärt werden kann, hat der Oberstaatsanwalt eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren für den 19-jährigen Onur U. gefordert, den er als Hauptverantwortlichen ausmachte. Die anderen fünf Angeklagten drohen Strafen zwischen zweieinhalb und drei Jahren. Michael von Hagen fasste eine Stunde lang die Ergebnisse der Ermittlungen und der Zeugenaussagen zusammen, bis er seine Strafmaßforderung verkündete. Auch kritisierte er die Empfehlung der Jugendgerichtshilfe, die lediglich vierwöchigen Dauerarrest und Verwarnungen mit Geldstrafen für zwei der Beschuldigten vorschlug.

Strafmaß-Forderung im Jonny K. Prozess: Onur U. drohen fünfeinhalb Jahre Haft

Oberstaatsanwalt Michael von Hagen stützte dabei seine Erkenntnisse maßgeblich auf die Zeugenaussage von Gerhard C., der in der Tatnacht von Onur U. geschlagen wurde, wie dieser zugab, und mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Jonny K. war der Bruder seiner Partnerin Tina K. und starb am Morgen des 14.10. in der Intensivstation II des Vivantes Klinikums in Berlin-Friedrichshain an den Folgen der Schlägerei.

Diese habe kurz vor vier Uhr morgens des gleichen Tages am Alexanderplatz stattgefunden, nachdem die sechs Beschuldigten Jonny K., Gerhard C. und zwei weitere Freunde angegriffen hatten: Die vier seien stark betrunken gewesen, Gerhard C. habe einen von ihnen auf dem Rücken tragen müssen und auf einem Stuhl an einer Eisdiele absetzen wollen. Onur U. habe an diesem Stuhl gerüttelt, worauf innerhalb nur einer Minute ein heftiger Streit ausbrach, bei dem Jonny K. möglicherweise den Hauptverdächtigen an der Schulter oder dem Arm berührte. Nach Meinung des Staatsanwalts habe dieser dann Jonny mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Plädoyers des Oberstaatsanwalts und der Verteidigung im Fall Jonny K.

Dieser erste Schlag ist maßgeblich für das Urteil im Jonny K. Prozess: Da nicht geklärt werden konnte, welcher Schlag oder Tritt, nachdem das Opfer bereits am Boden lag, letztlich zum Tode führte, muss ermittelt werden, wer zuerst wem einen Faustschlag verpasste. Für Michael von Hagen ist klar, dass Onur U. hierbei die Hauptschuld anzulasten sei. Die anderen fünf seien anschließend von dem ehemaligen Amateurboxer aufgestachelt worden.

Verteidiger Axel Weimann hingegen zweifelte die Glaubwürdigkeit von Gerhard C. an und will aufgrund der schwierigen Beweislage schlimmstenfalls Bewährungsstrafen für seinen Mandanten Onur U. erwirken. Auch bemängelte er das Medieninteresse am Fall Jonny K. und machte dies für den Prozessverlauf verantwortlich.

Die Staatsanwaltschaft forderte die fünfeinhalb Jahre Haftstrafe für Onur U. wegen Körperverletzung mit Todesfolge, die weiteren fünf Beschuldigten wird gefährliche Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei vorgeworfen. Am Donnerstag entscheidet das Gericht.

Bild:Alexanderplatz von StefdeVries, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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