Zugunglück von Santiago de Compostela: Ursachen-Suche

26. Juli 2013 - 11:11 - keine Kommentare

Am Mittwochabend ereignete sich bei Santiago de Compostela ein tragisches Zugunglück, bei dem 80 Menschen starben. Die Ermittlungen zur Unfallursache sind noch im vollen Gange, doch bereits jetzt konnten einige neue Erkenntnisse gewonnen werden, die dem Lokführer die Verantwortung zuweisen.

Ein Video des Zugunglücks bei Santiago de Compostela beweist, was bereits angenommen wurde: Der Schnellzug der Marke „Alvia“ ist mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in die als „problematisch“ eingestufte Kurve gefahren. Der 52-jährige Lokführer soll nun am Freitag polizeilich vernommen werden – er hatte vor über einem Jahr auf Facebook damit geprahlt, eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern erreicht zu haben, kannte die Strecke jedoch sehr gut, wie Juan Jesús Garcia Fraile, Gewerkschaftsvorsitzender der Lokführer (Semaf) beim spanischen Eisenbahn-Unternehmen Renfa, sagte.

Santiago de Compostela: Zugunglück durch überhöhte Geschwindigkeit

Das über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitete Video zeigt, wie schnell sich der Zug nähert und die Lok und die Waggons aus der Kurve gerissen werden – der ganze Unfall dauerte nicht einmal 10 Sekunden. Ein Journalist der Zeitung „El País“ gab an, bei der Testfahrt auf der 2011 ausgebauten Strecke an Bord gewesen zu sein, und bereits damals diese Kurve und das notwendige Abstoppen auf maximal 80 Km/h als „unangenehmes Gefühl“ empfunden zu haben. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass die zulässige Geschwindigkeit um 110 Kilometer pro Stunde überschritten wurde und somit 190 Km/h betrug.

Technische Fehler und Terroranschläge wurden bereits ausgeschlossen, nachdem der verunglückte Zug inspiziert wurde. Anwohner der Bahnstrecke hatten ebenfalls ausgesagt, der Zug sei ungewohnt schnell in die Kurve gegangen, er habe fünf Minuten Verspätung gehabt. Die Bahngesellschaft Renfe sprach derweil eine Warnung aus, vorschnell zu Verurteilungen zu kommen. Man solle die Untersuchungsergebnisse abwarten. Die Gewerkschaft macht auch das „Asfa“ System zur Kontrolle des Tempos mitverantwortlich für den Unfall bei Santiago de Compostela – wäre das neue ERTMS System für Hochgeschwindigkeitsstrecken eingesetzt worden, hätte nach Juan Jesús Garcia Fraile das Unglück vielleicht verhindert werden können. Vorwürfe, die von der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif abgelehnt werden.

Eisenbahn-Unfall in Spanien: Zahl der Toten steigt, Ermittlungen halten an

Während sich noch die Frage nach der Ursache und der Verantwortung für das schwere Unglück stellt, haben die Einsatzkräfte weitere Tote gefunden: Mit schwerem Spezialgerät wurden die Waggons von der Bahnstrecke gehoben, darunter befanden sich bislang unentdeckte Opfer. Die Anzahl der Verstorbenen wird derzeit mit 80 angegeben, von denen 53 identifiziert werden konnten, 140 seien zum Teil schwer verletzt worden. Der Lokführer und sein Assistent wurden nur geringfügig verletzt, der 52-jährige befindet sich dennoch derzeit im Krankenhaus unter Polizeibewachung.

Bild:Alvia von JMCR, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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