Kinostart von „Only God Forgives“ mit Ryan Gosling

18. Juli 2013 - 13:32 - keine Kommentare

„Only God Forgives“ von Nicolas Winding Refn macht es dem Kinopublikum nicht leicht, vor allem nicht jenen Zuschauern, die „Drive“ gesehen haben: Eine Action- und Gewalt-Orgie mit Ryan Gosling, die als stilistisch brillante Art-House-Produktion an sämtliche, auslotbaren Grenzen geht.

Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn hat seinen neuen Film nach „Drive“ in Cannes vorgestellt und dafür äußerst wechselhafte Kritiken zwischen überschwänglichem Lob und leidenschaftlicher Verachtung bekommen – nun wird „Only God Forgives“ in die deutschen Kinos kommen. Als blutig-philosophisch-abgründiger Thriller wird weniger eine Geschichte erzählt, als vielmehr eine stilistische Mythos-Analyse, die mit Bildgewalt und gewalttätigen Bildern nicht jedermanns Sache ist – wenn man sich allerdings darauf einlässt, entdeckt man ein von Nihilismus und moralischer Ernüchterung geprägtes Meisterwerk. Oder man hasst den Film abgrundtief, dazwischen dürften keine Reaktionen möglich sein.

Only God Forgives: Kinostart für den neuen Thriller von Nicolas Winding Refn

Julian (Ryan Gosling, „The Place Beyond the Pines“) nach einem Mord nach Thailand geflohen und hat in den vergangenen zehn Jahren dort einen Boxclub eröffnet. Doch dieser ist nur eine Fassade für den Drogenring, der von seiner Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas, „Bitter Moon“) geleitet wird. Als sein Bruder getötet wird, befiehlt ihm Crystal, den dafür verantwortlichen Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) umzubringen, der auch als „Todesengel“ bekannt ist. Mordend, folternd und Rache nehmend bewegen sich die beiden nun durch die Unterwelt von Thailand unbarmherzig aufeinander zu.

Die Geschichte von „Only God Forgives“ schlägt einige Haken, lässt dabei einigen Interpretationsspielraum, bleibt aber hinter der Bildgewalt zurück, zumal sich die Charaktere extrem wortkarg geben und eine aus Kino-Narrativitäten bekannte Entwicklung der Figuren nicht stattfindet. Vielmehr sind sie Urtypen, mythische Figuren, die ihre Plätze in einem unvermeidbaren Schicksal einnehmen und dieses mit extremer Gewalt vorantreiben.

Art-House Rache- und Gewaltorgie mit Ryan Gosling und Kristin Scott Thomas

Regisseur Nicolas Winding Refn vergleicht seinen Thriller mit einem Western, der in Asien spielt und einen modernen Cowboy als Helden hat – vielleicht erinnert der Titel des Films daher auch an den Spaghetti-Western-Klassiker „Dio perdona … io no!“. Hier endet der Vergleich jedoch schon, den Refns stylischer Rachefilm lässt sich eher im Art-House-Cinema ansiedeln und beschwört Erinnerungen an Alejandro Jodorowsky, David Lynch, Gaspar Noé oder Seijun Suzuki.

„Only God Forgives“ ist wahrlich nichts für zarte Gemüter und auch nicht unbedingt für Freunde des hirnlosen Action- und Gewaltkinos, denn obwohl es genügend extreme Bilder gib, wird die Blutorgie schnell beinahe unerträglich. In Cannes gab es gleichzeitig stehende Ovationen für Refns Art-House-Thriller und Buh-Rufe – ob man den Film für ein Meisterwerk hält oder für Schund, muss man ab dem 18. Juli 2013 für sich selbst entscheiden, wenn er in den Kinos anläuft.

 
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