Anglo Irish Bank: Irish Independent veröffentlicht Telefonmitschnitte

28. Juni 2013 - 09:32 - keine Kommentare

Die „Irish Independent“ Zeitung hat Telefonate zwischen zwei Managern der Anglo Irish Bank aus dem Jahr 2008 veröffentlicht, die einen erschreckenden Blick auf den Umgang der Banker mit der Finanzkrise ermöglichen: Sie machen sich über Rettungsversuche lustig und beleidigen ihre Geldgeber.

Im Jahr 2008 fiel die Anglo Irish Bank in sich zusammen: Mit Milliardenhilfen sollte sie gerettet werden, dennoch wurde die Bank letztlich verstaatlicht und musste abgewickelt werden. Irland stürzte in diesem Zusammenhang in eine tiefe Rezession und fährt seitdem einen rigorosen Sparkurs. Offenbar wurde vom Missmanagement der Bank jeder geschädigt – außer den Bankern, die sich über die Situation auch noch lustig machten, wie geheime Telefonaufnahmen nun belegen. Die Zeitung „Irish Independent“ hat die Mitschnitte nun veröffentlicht, die eine erschreckende Schwieligkeit der beiden Topmanager Dave Drumm und John Bowe nahelegen.

Anglo Irish Bank: Irish Independent veröffentlicht Telefonmitschnitte

Aus den Mitschnitten geht hervor, dass die sieben Milliarden Euro, die von der irischen Regierung für die Anglo Irish Bank gefordert wurden, komplett wahllos ausgedacht wurden – Drumm und Bowe wussten schon 2008, dass ihre Bank nicht mehr zu retten ist, die benötigten Beträge beachtlich höher sein müssten. Beim hören der Telefonaufnahmen wird klar, dass sie versuchten, so viel Geld wie möglich aus sämtlichen Quellen anzuschaffen, um ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Ein Aspekt der Telefonate, der besonders in Deutschland sauer aufstößt, ist die Verhöhnung der deutschen Sparer inklusive der Nationalhymne: Im Mitschnitt, der vom „Independent“ mit „Day Two: Deutschland, Deutschland“ untertitelt wurde, reden die beiden Banker über die deutschen Gelder für ihre angeschlagene Bank, bevor John Bowe die erste Strophe des Deutschlandliedes anstimmt, die nicht mehr gesungen wird, und später ein Schimpfwort vor „Germans“ verwendet.

Angela Merkel: Verachtung für die Schädigung der Demokratie

Die Aufregung um diese Verhöhnung ist in Deutschland groß, doch sollten die geäußerten Verunglimpfungen in einem anderen Kontext gesehen werden: Tatsächlich ist im englischsprachigen Ausland kaum bekannt, dass „Deutschland, Deutschland über alles“ nicht Teil der gesungenen Hymne ist und somit kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass dies eine Anspielung auf die nationalsozialistische Vergangenheit ist. Ebenso ist die Aussage „fuckin’ Germans“ nicht mit „Scheißdeutsche“ zu übersetzen, wie man es in einigen Medienberichten liest, zumal im gleichen Gespräch auch der „fuckin’ Union Jack“ erwähnt wird – die explizite Sprachebene soll vielmehr eine besonders lässige Grundhaltung mit tendenziösen Füllwörtern darstellen.

Und in dieser Grundhaltung liegt der eigentliche Grund für die Empörung, die man angesichts der Unterhaltung zwischen den beiden Bankern empfinden kann: Hier wird deutlich, wie abgebrüht Drumm und Bowe mit dem Versuch Irlands und der anderen europäischen Staaten umgehen, ihr Kreditinstitut zu retten – ihre Überheblichkeit und Gier im Angesicht der Finanzkatastrophe wird gepaart mit dem unumstößlichen Wissen, selbst im trockenen zu sitzen.

85 Milliarden Euro wurden insgesamt vom Internationalen Währungsfonds und der EU in das irische Bankwesen investiert, Deutschland trug daran den Löwenanteil – auch dieser Umstand mag bei der Bundeskanzlerin zur Empörung über die Äußerungen der beiden Banker geführt haben. Angela Merkel nannte das Verhalten eine „Schädigung der Demokratie […] der sozialen Marktwirtschaft“ und sagte, sie habe „wirklich nur Verachtung“ dafür übrig, während sie aber auch den Tonfall anderer Banker darin erkenne.

Bild:Anglo Irish Bank von Joe Higgins.eu, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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