Nabucco-Pipeline beendet: Gas aus Aserbaidschan wird über Griechenland und Italien geliefert

27. Juni 2013 - 10:17 - keine Kommentare

Mit dem Prestige-Projekt der Nabucco-Pipeline sollte von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn Gas aus dem Schwarzen Meer bis zur österreichisch-slowakischen Grenze gepumpt werden. Nun wurde es beendet, da sich das internationale Gasquellen-Konsortium Shah Deniz für eine Konkurrenz-Pipeline entschied.

Im Versuch, den europäischen Gasbedarf von der Versorgung aus Russland und der Ukraine zu emanzipieren, werden verschiedene Projekte gefördert, die sich mehr oder weniger erfolgversprechend gestalten: Neben Überlegungen zum Frakking sind es vor allem die Lieferungen aus anderen Gasquellen, die preiswertes Gas nach Europa bringen sollen – beispielsweise jenes aus dem Schwarzen Meer, das vom Betriebskonsortium des Shah Deniz II Gasfeldes gefördert wird. Um dieses Gas zu transportieren, sollte die „Nabucco“ Pipeline über 1.300 Kilometer in nördlicher Richtung ab der Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien verlaufen. Doch das Konsortium hat sich dazu entschieden, die Konkurrenz der Trans Adriatic Pipeline (TAP) zu nutzen.

Prestige-Projekt Nabucco: Gasleitung aus dem Schwarzen Meer gescheitert

Die TAP Pipeline verläuft über die Türkei, Griechenland, Albanien, die Adria und kommt letztlich in Italien an – mit etwa 500 Kilometern ist die Gasleitung nicht nur kürzer als die Nabucco-Pipeline, sondern auch preiswerter. Das Sha Deniz Konsortium hat keine Stellung zu den Gründen der Entscheidung angegeben. Noch im Juni 2012 gab das Konsortium aus Aserbaidschan an, mit Nabucco das Gas nach Zentraleuropa bringen zu wollen. Gerhard Roiss, Vorstandsvorsitzender des österreichischen Energieunternehmen OMV, hat das Nabucco-Projekt für seinen Konzern für beendet erklärt.

50 Millionen Euro wurden von der OMV in die Entwicklung der Nabucco-Pipeline gesteckt, allein der Abschnitt Nabucco West hätte Medienberichten zufolge zwischen dreieinhalb und vier Milliarden Euro gekostet – ein deutlich größeres Ursprungsprojekt, bei dem die Leitung bis nach Georgien/Armenien und an die Grenze zu Syrien/dem Irak hätte reichen sollen, sollte 15 Milliarden kosten. Neben der OMV waren BEH (Bulgarien), Botas (Türkei), Transgaz (Rumänien) und MOL (Ungarn) am Projekt beteiligt, RWE hatte sich zurückgezogen.

Aserbaidschanisches Konsortium gibt Trans Adriatic Pipeline den Zuschlag

An der Entscheidung des Sha Deniz II Konsortiums profitieren nun die Mittelmeerstaaten und die an der TAP beteiligten Unternehmen, zu je 42,5 Prozent die Axpo (Schweiz) und Statoil (Schweden), sowie E.on mit 15 Prozent. Die Pipeline teilt sich einen wesentlichen Streckenabschnitt mit der South Stream Leitung: Ohne das gleiche Röhrensystem zu nutzen, stehen die beiden Gasleitungen dann in direkter Konkurrenz zueinander.

Bild:Pipeline von mmmavocado, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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