Banken in China befürchten Finanzkrise: Zentralbank will Kreditwachstum bremsen

24. Juni 2013 - 11:49 - keine Kommentare

Das seit Jahren anhaltende Kreditwachstum in China könnte ein jähes Ende finden: Seit vergangener Woche kursieren Gerüchte, zwei der größten Banken könnten zahlungsunfähig sein – die Kreditzinsen schossen in die Höhe und Chinas Zentralbank drehte den lange ungebremst fließenden Geldhahn zu.

Chinas Banken beklagen sich über Liquiditätsprobleme: Die chinesische Finanzwirtschaft hat seit der weltweiten Geldkrise im Zuge der Lehman-Brothers-Pleite freizügig Kredite verteilt, die dem Wohnungsbau und der Entwicklung der Infrastruktur Chinas zugute kamen – auf diese Weise konnte auch die Währung gedeckt werden und im Angesicht der Wirschaftskrise stabil bleiben. Kritiker des uneingeschränkten Geldflusses zur Krisenbewältigung vermuteten jedoch bereits seit langem, dass es sich hierbei um eine Finanzblase handeln könnte, die zu platzen droht und tatsächlich könnte es nun soweit sein, befürchten einige von ihnen. Denn die chinesische Zentralbank weigert sich, für fehlendes Geld der Banken aufzukommen und neue Banknoten in den Kreislauf einzuspeisen.

Zentralbank von China: Kreditwachstum soll eingeschränkt werden

Mit dem Regierungswechsel um den neuen chinesischen Premierminister Li Keqiang wurde seit März auch die Kreditpolitik der Zentralbank geändert. Banken sollen versuchen, aus ihrer Kreditschuld zu gelangen, ohne sich dabei auf Finanzmittel der Zentralbank zu stützen – denn bislang konnten sich Chinas Banken darauf verlassen, bei sämtlichen Spekulationen und Investitionen nötigenfalls durch den Staat aufgefangen zu werden. Nun aber will die Zentralbank nicht mehr bereitstehen, um Liquiditätsengpässe aufzufangen und hat zudem die Geldmenge im Umlauf begonnen einzuschränken.

Experten bewerten diesen Umschwung der Finanzpolitik angesichts des bislang ungebrochenen Kreditwachstums als gefährliches Manöver: Sollte diese pädagogische Maßnahme für Chinas Banken auch nur bei einer einzigen von ihnen zu einem Zahlungsengpass führen, könnte sich eine Kettenreaktion ergeben, die für den chinesischen Finanzmarkt die gleichen Ausmaße hätte, wie die Lehman-Pleite 2008.

Steigende Kreditzinsen: Chinas Banken fürchten eine Finanzkrise von Lehman-Ausmaßen

Bereits die ersten Gerüchte um einen halbstündigen Zahlungsverzug der Bank of China hatten die Zinssätze innerhalb kürzester Zeit in die Höhe schnellen lassen: Am Freitag wurde ein Kreditzinssatz von ungeheuerlichen 25 Prozent gemessen, der sich dann auf 8,39 Prozent reduzierte – und damit noch immer um beinahe der doppelten regulären Höhe entspricht.

Die Banken mögen ihre Felle hinweg schwimmen sehen, doch die Kunden der Geldinstitute scheinen momentan noch keinen Grund zur Panik zu erkennen: Man scheint von massenhaften Geldabhebungen abzusehen und darauf zu vertrauen, dass die chinesische Zentralbank ihre Währungsreserven von 3,3 Billionen Dollar nötigenfalls zur Bankenrettung einsetzen würde, sollten die Disziplinarmaßnahmen wider Erwarten misslingen sollten.

Bild:Banken in China von bsterling, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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