Rente mit 69: Wirtschaftsstudie errechnet bessere Renten bei längerer Arbeit

19. Juni 2013 - 09:49 - keine Kommentare

Die Arbeitgeber- und Unternehmens-freundliche Denkfabrik „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), dessen Kuratorium der ehemalige SPD-Politiker und Förderer der Agenda 2010 Wolfgang Clement vorsitzt, kommt bei Überlegungen zur Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung zum Schluss, dass die Rente mit 69 unausweichlich sei.

Am Dienstag präsentierte die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ ihre Studie „Demografie und Rente – Effekte einer höheren Erwerbstätigkeit Älterer auf die Beitragssätze zur Rentenversicherung “: Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat gemeinsam mit Prof. Reinhold Schnabel (Universität Duisburg-Essen) und dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) errechnet, welche prozentualen Verschiebungen beobachtet werden könnten, wenn Arbeitnehmer ab 2030 erst mit 69 Jahren in Rente gingen. Sie meinen, auf diese Weise würde der Rentenbeitragssatz flacher ansteigen, das Rentenniveau sanfter abfallen.

Rente mit 69: Wirtschaftsstudie errechnet bessere Renten bei längerer Arbeit

Im besten Fall soll sich der Rentenbeitragssatz mit angepasstem Rentenniveau und nach der Nachhaltigkeitsformel bis 2030 nicht auf 23,3 Prozent erhöhen, sondern lediglich auf 20,9 – Voraussetzung für diese Berechnungen des INSM ist das beste Entwicklungsverhältnis von Erwerbsbeteiligung, Arbeitslosigkeit und Arbeitszeit . Doch auch, wenn das momentane, bei 46 Prozent liegende Rentenniveau als konstant annimmt, sollen erstaunliche, prozentuale Unterschiede erkennbar sein, wenn Arbeitnehmer, deren Lebenserwartung zunimmt, auch länger beschäftigt sind.

Wirklich erstaunlich sind die Ergebnisse der Studie abgesehen von den errechneten Prozentzahlen hingegen nicht: Es erscheint von vornherein logisch, dass Arbeitnehmer, die länger arbeiten, auch mehr in die Rentenkassen einzahlen – und wenn sie früher sterben, bekommen sie auch weniger Rente ausgezahlt. In wie weit dabei jedoch die durch Zeit- und Kurzarbeit entfallenen Beiträge, jene von jüngeren Arbeitskräften, die keine Jobs bekommen und körperlicher Verschleiß mit in die Rechnung eingehen, ganz abgesehen von höheren Krankenkosten im Alter, ist aus der Pressemitteilung der INSM nicht ersichtlich. Auch das Neueinstellungsproblem, dem sich viele ältere Arbeitnehmer gegenüber sehen, wird nicht thematisiert.

Wolfgang Clement: Staatliche Förderung der Frührente sollte eingestellt werden

Wolfgang Clement, Vorsitzender des Kuratoriums der von Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanzierten INSM, betonte, dass „die Zukunft unseres Rentensystems […] am Arbeitsmarkt “ hänge. Arbeitnehmervertretern hingegen kann die Studie „Demografie und Rente“ nicht gefallen: Besonders die drei Forderungen der Initiative – die staatliche Förderung von Frührente einzustellen, das Eintrittsalter passend zur die Lebenserwartung zu erhöhen und vor allem dem Arbeitgeber ein jährliches Sonderkündigungsrecht für seine Mitarbeiter ab dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters einzuräumen – richten sich direkt gegen gewerkschaftliche und soziale Errungenschaften.

Bild:Rentner von garryknight, CC BY – bearbeitet von borlife.

 
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